Malaysia und unsere Verschiffung nach Afrika (!)

Wir haben einen guten Start in Malaysia. Gleich an der Grenze treffen wir auf zwei englische Motorradfahrer, die bereits seit sechs Jahren „on the road“ sind und uns ein paar Tipps geben können. Der Grenzübertritt selber verläuft schnell und reibungslos, auch die Versicherung kriegen wir innert kurzer Zeit. So gerüstet kann ja nichts mehr schief gehen… ausser, dass unser ausgesuchter Übernachtungsort, den wir aus der sehr informativen Homepage von Markus haben (www.littletramp.ch), leider inzwischen abgesperrt wurde. Er wäre auf einer mit einer Brücke verbundenen Insel gewesen… Pech gehabt! Wir suchen in der Umgebung nach einer Alternative und finden sie schliesslich in einem schattigen Waldtal mit Badebach am Fusse eines freistehenden Berges. Am liebsten wären wir ja auf den Berg, den Gunung Jerai, hinauf gefahren, aber wir finden nirgends eine Strasse, die hoch führt. Die sollten wir dann erst in unseren letzten Tagen in Malaysia finden… hier sitze ich jetzt nämlich, geniesse die angenehmen Temperaturen, schreibe diesen Bericht und schaue auf eine wunderschöne Küstenlandschaft runter mit einer über eine Brücke verbundenen Insel… ;-)

Am nächsten Tag fahren wir nach Georgetown, hier allerdings über eine grössere, imposante Autobahn – Brücke, die die Insel Penang mit dem Festland verbindet. Wir parken unser Auto auf einem öffentlichen Parkplatz in der Nähe von Parkanlagen und botanischem Garten. Nicht die beste Wahl angesichts des Wochenendes: viele Leute, vor allem chinesischer und indischer Abstammung, kommen zum Entspannen (Inder) und Sport treiben (Chinesen) hierher und sind extrem interessiert an unserer Reise. Ein Unterschied zu den zurückhaltenden Thais, der sofort spürbar wird: in Malaysia haben wir kaum eine ruhige Minute ums Auto rum auf öffentlichen Plätzen und fühlen uns sehr an indische Zeiten zurückerinnert… Das Frühstück am nächsten (Sonntag-) Morgen nehmen wir deshalb gleich drinnen ein! Und machen dann eine Fahrt um die Insel und dann gleich weiter zurück aufs Festland und Richtung Osten, querfeldein in die Berge. Uns gefallen die kleinen Strassen, auch wenn wir uns immer wieder nach dem richtigen Weg erkundigen müssen. Schlussendlich landen wir dann doch auf dem East-West-Highway und halten Ausschau nach „unserem“ Campingplatz im Dschungel, den wir vor 20 Jahren mit dem Töff mal gefunden hatten… wir finden ihn sogar wieder, aber inzwischen hat es die Zufahrt weggeschwemmt, so dass wir einen anderen Platz suchen müssen. Der ist auch schön, hat einen kleinen Bach in der Nähe und Spuren (inklusive Dunghaufen) von wilden Elefanten finden wir auch! Leider kriegen wir keine zu Gesicht… dafür wird es abends richtig schön kühl – kein Wunder: wir befinden uns auf über 1‘000 müM! Der nächste Tag bringt uns dann wieder runter von den Bergen, vorbei an imposanten Wasserfällen und wir bekommen einen ersten Eindruck von der Holzfällerei und den monotonen Palmöl – Plantagen hier in Malaysia… ich schätze, dass über 40% des Landes mit Palmöl – Plantagen bebaut sind, eine für uns Schweizer unvorstellbare Monokultur – Landwirtschaft. Auch für den Besuch des grössten Nationalparks, den Taman Negara, fahren wir bis zum letzten Kilometer durch diese Plantagen. Der Osteingang zum Park wird wenig besucht von Touristen und die Parkwächter wissen nicht so recht was sie mit uns anfangen sollen… So fahren wir dann nach einem gewaltigen Monsungewitter schon am nächsten Tag wieder weiter und suchen uns einen schönen Platz in Cherating an der Ostküste. Dort werden wir am Nordende des Strandes auch fündig und bekommen am dritten Tag Besuch von Overländer – Freunden: Bianca&Florian mit ihrem Landrover, mit dabei ist ein Vorarlberger – Paar mit VW-Bus auf Weltreise. Wir verbringen gemütliche Tage zusammen, schwimmen und schnorcheln, quatschen, backen auch noch Brot und Züpfe in unserem Klapp – Backofen und geniessen am nächsten Morgen das feine Frühstück alle zusammen…

Tagsüber bauen Kölbi und ich auch die Fenster an unserer Kabine aus und wechseln die Moskitonetze. Die alten sind eher grau als weiss und die australischen Zöllner hätten sicherlich keine Freude daran… Zwischendurch sitze ich immer wieder im Internetcafe und telefoniere stundenlang mit Stefan Grünig von der Descom in Safnern. Er ist unser rettender Engel als Computer – Fachmann und legt uns zuliebe wegen der Zeitverschiebung Frühschichten morgens um fünf ein, um unseren Computer wieder zum Laufen zu bringen, nachdem ich ihn mit einer dummen Aktion lahmgelegt habe… nochmals herzlichen Dank dafür!!!

Und den Computer brauchen wir momentan wirklich dringend: so langsam geht unsere Zeit hier in Südostasien dem Ende entgegen und wir wollen unsere Verschiffung nach Australien zum Laufen bringen, nachdem wir ja inzwischen unser Jahres – Visum bekommen haben… und das geht übers Internet halt schon gäbig (denken wir zumindest noch). Wir sind ja immer noch in Kontakt mit der „the Freight“ – Agentur in Bangkok, die uns eine RoRo (Roll on/Roll off) – Verschiffung in Aussicht gestellt hat. Nun möchten wir gerne ein Verschiffungsdatum haben, damit wir unsere restliche Zeit hier planen können. Unser Erstaunen ist gross, als wir – nach etlichen Mails – herausfinden, dass das vorgeschlagene Datum uns nach Neukaledonien führen würde…! Wir möchten doch aber nach Australien…! Dazu kommt, dass eine Konkurrenzfirma uns mitteilt, dass sie momentan nirgends Platz auf einer RoRo – Verbindung buchen könne… die Nachfrage bei „unserer“ Firma ergibt, dass eine Buchungsanfrage laufe, sie aber noch keine definitive Zusage hätten… ein bisschen unsicher, um 1‘500 km nach Bangkok zurückzufahren! In der Zwischenzeit fahren wir nach Melaka und parken da zwei Nächte neben dem MAN – Laster von Stefan&Petra. Wir tauschen Infos, erkunden die schöne Altstadt und machen zusammen mit ihrem Hund Mandu eine nächtliche Wanderung dem Fluss entlang. Darauf erfahren wir via Email, dass auch Brigitta&Paul hier sind und im ApaKaba (einem gemütlichen Guesthouse mit schönem Garten) stehen und am Putzen für ihre Australien – Verschiffung sind. Da wechseln wir zu ihnen, machen ein wenig „Sympathie-Putzen“ ;-) an unserem Cruisie und kümmern uns weiter um unsere Verschiffung. Wir haben inzwischen auch einen uns empfohlenen Agenten in Fremantle/Perth angefragt, wieviel uns das Ausladen unseres Autos an Hafengebühren auf Australien – Seite denn kosten werde…

Brigitta&Paul sind uns in dieser nervenaufreibenden Zeit mit allen möglichen Anfragen an die verschiedensten Agenten in unterschiedlichen Häfen eine unerschöpfliche Quelle an Hilfe und Informationen auf unserer Odyssee durch alle unsere Stadien von himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt. Die Verschifferei erweist sich als sehr nervenzehrend und undurchsichtig.

Zwischendurch fahren wir mal ein paar Tage weg. In Kuala Lumpur treffen wir uns mit Conny&Boris zu einem Nachtessen mit seinen zu Besuch weilenden Eltern. Wir wollen unbedingt ihren kleinen Nico sehen, mit dem Conny bei unserem letzten Treffen in Vientiane ja noch schwanger war! Wie immer sind die zwei sehr gastfreundlich und völlig relaxed, wir verbringen einen schönen Abend zusammen! Zum Übernachten fahren wir noch zu einem Parkplatz gleich bei den Petronas – Twin – Towers, die vor allem nachts besonders eindrucksvoll sind. Nach einem kurzen Besuch am nächsten Morgen in den Shopping – Malls (absolut nicht unser Ding) und in der Petronas – Science – Ausstellung verlassen wir das pulsierende, voll klimatisierte KL eher fluchtartig. Wir sind definitiv keine Grossstadt -Menschen!

In Fraser Hill geniessen wir das kühle Höhenklima, putzen an unserem Auto für die Australien – Verschiffung und lernen etliche Malaiien und – wegen ihrem Nowruuz/Neujahrsfest – auch viele Exil – Iraner kennen. Es ist doch eher die Mittel- und Oberschicht, die sich Ausflüge in die Hillstations leisten kann.

Am Montag fahren wir dann zu Mr. 1$, einem Verschiffungsagenten in Port Klang und verlassen den Ort mit einem fixen Verschiffungstermin und einem guten Bauchgefühl. Nur noch 10 Tage und dann wird unser Cruisie in einen Container nach Fremantle verladen! Jetzt müssen wir aber zurück nach Melaka um Brigitta&Paul zu trösten: irgendwie hat ihre Agentur ihre Buchung verschlampt und sie können jetzt doch noch nicht aus Singapur verschiffen wie geplant… Ich muss es noch einmal erwähnen: – auch wenn wir ja in den „Ferien“ sind – es gibt nichts Schlimmeres als das Organisieren von Verschiffungen auf Reisen!

Natürlich kommen wir freudestrahlend in Melaka an (wir haben unsere Buchung ja fixiert…), als uns kurz darauf ein Mail erreicht, wo uns unser Agent in Fremantle dringend von einer Container – Verschiffung abrät und uns die dabei entstehenden Entladekosten auflistet: 750 A$ (=SFr) nur um den Container mit dem Gabelstapler aus dem Schiff zu transportieren… und, und, und!!! Irgendwann in der nächsten halben Stunde hat‘s bei uns wohl Klick gemacht, der Schalter ist umgefallen… Kölbi schaut mich an und fragt: wie wichtig ist Dir – oder uns – dieses Australien eigentlich??? Wir machen mal einen gröberen Kostenüberschlag… ich meine, wir wussten ja, dass Australien teuer ist und wird… und schliesslich waren wir ja vor 20 Jahren schon ein halbes Jahr dort… und dann die unmögliche Forderung nach einem absolut sauberen Auto bei der Einreise… inklusive möglichen Nachreinigungskosten, die astronomische Höhen erklimmen können… und wollen wir wirklich über 50‘000 Franken ausgeben für nicht mal ein Jahr…?

Wir schlafen noch mal drüber, aber eigentlich steht unsere Entscheidung schon fest: wir machen wieder mal eine Planänderung: im Grunde reizt uns Afrika noch mehr als Australien! Vor allem, seit uns Brigitta&Paul dermassen vom südlichen Teil mit seinen Nationalparks und wilden Tieren vorgeschwärmt haben… Irgendwie bin ich wie elektrisiert beim Gedanken an „mein“ geliebtes Afrika… – hoffentlich kann ich Kölbi ein wenig damit anstecken!

Aber nun geht die ganze Informationsbeschaffung von neuem los: wann, wie, wieviel, mit wem verschiffen wir denn nun – und von wo? Gut, dass wir all die Agenturadressen schon haben… und dank Thomas&Andrea noch eine aus Penang dazu. Die wollen wir ja erst gar nicht anfragen, aber Paul drängt uns (zum Glück!) fast ein wenig dazu.

Erst mal wollen wir unsere Situation neu überdenken – und welcher Platz ist da besser geeignet als unser geliebtes BangNiang in KhaoLak?! Zurück nach Thailand mit seinen zurückhaltenden, freundlichen Menschen, dem feinen Essen (wobei wir die malaiische Küche auch sehr lieben!) und den tollen Massagen am Strand…! Nach nur drei Fahrtagen schlagen wir unser Vorzelt neben Brigitte&Edy auf, die auch noch hier sind mit ihrem „Robusto“. Es wird ereignisreiche Zeit hier… für zwei Nächte quartieren wir uns im nahen Thupthong – Guesthouse ein, damit wir endlich mal die Kabine vom Auto nehmen können um sie gründlich zu reinigen und zu flicken. – Was wir ja eigentlich wegen Australien geplant hatten, aber auch so eine gute Idee ist, da die Kabine schon seit längerer Zeit verdächtig knackt in den Kurven… also tragen wir unseren gesamten Hausrat ins Hotelzimmer, lösen die Kabine, putzen und flicken sie, auch Wassertanks und – Leitungen… überall hat sich eine Menge Dreck und Staub angesammelt und wir sind froh, dass der Cruisie nur noch sauber genug für uns sein muss und wir ihn nicht komplett zerlegen müssen! Wir kommen flott voran und sind am Nachmittag des zweiten Tages bereits wieder am Einräumen, als plötzlich die Hotelmanagerin angerannt kommt und aufgeregt von Erdbeben und Tsunami spricht und wir sollten doch im Internet nachschauen! Irgendwie kapieren wir die Situation erst nach etwa einer Viertelstunde: es muss bei Sumatra ein starkes Erdbeben gegeben haben und es werde wohl eine Tsunami – Warnung geben… wir sollen sofort wegfahren hier und uns in Sicherheit bringen! Schnell räumen wir die wichtigsten Dinge ins Auto und fahren die paar Meter zum Strand zu Brigitte&Edy, damit auch sie Bescheid wissen. Bereits kommen uns die ersten Leute entgegen, die sich offensichtlich auch in höhere Lagen begeben wollen. Jetzt sind wir alle froh um die vielen Evakuations – Hinweistafeln, die uns den Weg in die Hügel weisen. Alle Leute, Thais wie Touristen, streben den Hügelzonen entgegen. Viele zu Fuss, zum Teil nur in Badetücher gehüllt, andere auf Motorrädern und hinten auf den Pickups. Überall ernste, besorgte Gesichter, aber alles verläuft ruhig, nur bei den Thais erkennen wir hie und da den Schrecken, die Panik von bereits Erlebtem in ihren Augen. Kaum haben wir die Anhöhe erreicht, gehen auch die offiziellen Tsunami – Warnsirenen los. Gut, dass wir so früh gewarnt wurden vom Hotel! Ab jetzt heisst es warten… Bald schon gibt es erste Informationen, es sind jetzt viele Thais mit Funkgeräten vor Ort. Die erste Flutwelle wird in zwei Stunden erwartet, aber es habe noch Nachbeben gegeben. Wir kümmern uns erst einmal um Trinkwasser, denn das haben wir in der Eile vergessen einzupacken und die Wassertanks sind natürlich auch noch leer! Normalerweise wären ja gerade wir mit unserem Campingauto am besten gerüstet für solche Situationen, – nur ausgerechnet heute nicht! Wir können welches in einer kleinen Pizzeria in der Nähe kaufen und dort verteilen sie erst noch gratis Pizza an alle Wartenden! Die Ruhe und Geduld rundherum ist beeindruckend, viele sitzen zusammen und schwatzen. Um sechs wird es ja bereits dunkel und so ab sieben Uhr beginnen viele Thais sich wieder auf den Weg runter zu machen. Die mit den Funkgeräten sagen uns, die Flutwelle habe Phuket bereits erreicht, sei aber unbedenklich gewesen und wir sollten noch bis etwa acht Uhr abwarten. Wir befolgen ihren Rat, obwohl wir uns nach all der Putzerei verschwitzt, dreckig und hundemüde fühlen. Die Fahrt zurück zum Hotel führt uns durch ein gespenstisch dunkles und verlassen wirkendes BangNiang. Im Hotel drängt uns die Managerin dann, aus Sicherheitsgründen ein Zimmer im obersten Stock zu beziehen (obwohl das eigentlich viel teurer wäre). Und kurz darauf hören wir über die Sirenen die Tsunami – Entwarnung; sie wird in verschiedenen Sprachen durchgegeben, sogar auf Deutsch!

Auf uns hat diese Tsunami – Evakuation einen gut organisierten Eindruck gemacht, wir fühlen uns dadurch am Strand auch die nächsten Nächte sicher. Wie wir erfahren, sind sogar Patrouillen unterwegs gewesen um sicher alle Leute zu evakuieren und Plünderungen vorzubeugen (wobei das hier unter Buddhisten fast nicht vorkommt, in unserem Hotel blieben in der Aufregung auch alle Türen offen!).

Die nächsten Tage widmen wir uns wieder intensiv der Verschiffung, bekommen Offerten aus Klang und Singapore, die wir beide eher teuer finden. Am Freitag kommt endlich ein preiswertes Angebot aus Penang, aber wir müssen unbedingt persönlich vorbeikommen, um die Anzahlung für den Container zu machen… und zwar schnell, weil die Preise im Mai steigen werden! Also wird doch nichts aus erholsamen Strandferien in BangNiang und schon am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Brigitte&Edy und all den liebgewonnenen Thais hier. Es ist Saisonende und es wird ruhig hier, viele Beizli schliessen zu. Und seit der Tsunami – Warnung sind merklich weniger Touristen da; schade eigentlich, dass wir ausgerechnet jetzt schon fahren müssen! Pünktlich am Montagmorgen stehen wir im Büro der Cakrashipping und werden von Herrn Yeap freundlich willkommen geheissen. Er erklärt uns das Prozedere, unter anderem will er wissen wo wir unser Auto aufhängen können für den Kran… Kran? was für ein Kran? Nun ja, um den Open Top Container zu beladen… – aber deshalb wollen wir ja gerade den offenen Container, damit wir reinfahren können! Wie sich herausstellt, hat der 20 Fuss Open Top Container eine Einfahrtshöhe von nur 2.58m und unsere Kabine braucht 3m; etwas, das bisher noch keinem anderen Agenten aufgefallen ist…! Also zerschlägt sich auch diese Option und wir beschliessen, unsere Kabine runterzunehmen und dafür einen 40 Fuss geschlossenen Container zu buchen. Herr Yeap bringt uns zum Schreiner, der das Holz für unser Gestell zuschneidet und fasziniert zuschaut, wie schnell und effizient Kölbi das Ganze dann zusammenbaut. Danach wird es „fumigated“ (desinfiziert) und in Einzelteile zerlegt im Büro von Herrn Yeap bis am nächsten Dienstag, dem Container – Beladetermin, zwischengelagert.

Das gibt uns ein paar Tage Zeit um in die Cameron Highlands zu fahren, einem Tee- und Gemüseanbaugebiet in den Bergen auf über 1300 müM. Leider regnet es häufig da oben, aber ich geniesse die angenehme Kühle, während Kölbi schon richtig am Frieren ist und ständig mit seiner dicken Jacke rumläuft… was will er dann in der Schweiz machen??! Kaum fahren wir wieder runter ins Tiefland, fange ich wieder an zu schwitzen… die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch in Malaysia, und obwohl die Temperaturen selten über 33°C klettern, empfinde ich es heisser und unangenehmer als damals in Lybien, wo wir teilweise über 40°C hatten.

Beim Mittagessen in TanahRata lernen wir noch Mathieu, einen französischen Motorradfahrer kennen, der nach einer Verschiffungsgelegenheit nach Indonesien sucht. Als wir ihm Capetown anbieten, ist er einen kurzen Moment versucht, das Angebot anzunehmen… schlussendlich ist es ihm dann aber doch zu kurzfristig. Wir machen aus uns in Penang nochmals zu treffen und fahren bei strahlend schönem Wetter die kurvenreiche Süd – Strecke den Berg wieder runter. In Taiping verbringen wir einen lustigen Nachmittag an der Parkstrasse, die einem schönen Teich entlangführt. Wir bekommen Besuch von interessierten Malaiien, von Journalisten (die unser Auto dann in der Zeitung bringen), einem Hochzeitspaar, das den Cruisie für seine Hochzeitsfotos (miss-)braucht und auch von einem Schweizer Paar, Heidi&Reini, die schon seit 26 Jahren auf Koh Samui in Thailand leben. Es wird ein unterhaltsamer Abend zusammen, sie haben viel zu erzählen aus ihrem reisefreudigen Leben, das sie bereits in den siebziger Jahren mit ihrem eigenen Auto nach Indien und Nepal gebracht hat. Sie erzählen uns auch von der engen Strasse, die auf den Gunung Jerai hoch führt und damit entscheiden wir uns, die letzten beiden Tage vor der Verschiffung hier oben zu verbringen. Wir dürfen im schicken Resort auf dem Parkplatz stehen und gehen dafür im Restaurant essen, wo wir unter anderem ein äusserst reichhaltiges „Steamboat“ probieren. Es ist wie unser Fondue chinoise, aber reichhaltig bestückt mit Meerfrüchten, Fisch und Fleisch und verschiedenem Gemüse und zweierlei Bouillon… – es würde bestimmt für eine ganze Familie reichen!

Am 23. April fahren wir zurück nach Penang, beziehen ein Zimmer im Hotel Hong Ping (unser erstes seit dem Trekking in Nepal!), wo die Hotelbesitzerin unseren Cruisie bereits aus der Zeitung kennt… und fahren unser Auto noch zum Reinigen; wir wollen schliesslich einen „sauberen Eindruck“ machen in Südafrika! Dann heisst es Rucksack packen und die letzten Vorbereitungen treffen für‘s Containerladen. Am Dienstagmorgen fahren wir zu Herrn Yeap, laden das vorbereitete Holz für unser Gestell ein, bezahlen die Verschiffung (knapp 3000 Franken) und lernen den Verantwortlichen für die Zollabfertigung kennen. Es ist ein ziemlich ausgeflippter Typ, Anhänger eines indischen Gurus und hat ständig irgendwelche Sprüche und Lebensweisheiten auf Lager. Zusammen fahren wir nach Butterworth auf‘s Festland zu einer Halle. Wir beginnen mit der Demontage unserer Kabine vom Auto, werden aber schon kurz darauf unterbrochen als der Camion mit dem Container einfährt. Wow! – so ein 40 Fuss High Cube Container hat schon eine imposante Grösse!!! Er wird abgestellt und Kölbi fährt erst unseren „nackten“ Cruisie in den Container, der da gut festgezurrt wird. Danach mit Hilfe des Gabelstaplers und vieler Nerven (es ist eng, heiss und stickig im Container!) wird auch noch die Kabine auf dem Holzgestell hineinmanövriert, festgezurrt und abgeschlossen. Ein paar letzte Fotos und dann: „gute Reise, liebes Zuhause….!“

Wir aber gehen mit unseren Helfern fein essen, werden vom Guru-Fan sogar eingeladen und geniessen danach die kühle Dusche im Hotel. Unser Agent hat uns für den nächsten Vormittag den Bus nach Kuala Lumpur reserviert, weil aber das Carnet de Passage noch nicht ausgestempelt wurde, lassen wir den sausen und warten auf die Zollabfertigung. Am Mittag halten wir das Dokument glücklich in den Händen, am glücklichsten scheint Herr Yeap zu sein, der uns sogar noch zu einem tollen chinesischen Mittagessen einlädt. Wir bedanken uns mit einem Schweizer Sackmesser bei ihm und wissen uns um einen Freund reicher. Der Nachmittagsbus bringt uns dann gerade richtig zum Nachtessen nach Kuala Lumpur. Nach einer letzten Nacht in Malaysia besteigen wir am 26. April voller Vorfreude auf unsere Familien und Freunde das Flugzeug in die Schweiz, wo wir die Zeit bis zur Ankunft des Containerschiffs in Capetown verbringen wollen. Dies wird wohl bis Pfingsten dauern….

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Südthailand 2.Teil

Von Koh Lanta fahren wir übers Inland zurück nach KhaoLak, denn wir müssen ja noch ein paar tolle Strecken finden für Silvia und Res, unsere Freunde aus Safnern, die uns Anfang März besuchen kommen… In KhaoLak fühlen wir uns gleich wieder wie zuhause, geniessen das Meer und die tollen Massagen von den Frauen hier am Strand neben unserem „Campingplatz“. Und zu unserem Erstaunen steht auch Brunos Bremach noch hier auf dem Platz, obwohl er doch nach Bangkok hatte fahren wollen um mit seinem Bruder Hansruedi den Norden und Kambodscha zu bereisen… Die Massagefrauen erzählen uns dann, dass das Auto habe abgeschleppt werden müssen (mit dem Quad von Edy und Brigitte hier auf dem Platz….) und Bruno nun mit dem Bus nach Bangkok gereist sei, aber bald wieder komme. Das sind ja News!

Schon am nächsten Tag treffen die zwei ein – und die Fehlersuche am Bremach geht los… mit Hilfe von hiesigen Elektrikern und „Fernbehandlung“ per Telefon nach Österreich gelingt eine provisorische Reparatur dann schliesslich nach ein paar Tagen.

Aber zwischendurch müssen wir noch nach Phuket ins Spital zum Tuberkulose-Röntgen um das australische Jahresvisum zu erhalten, welches uns dann auch zwei Tage später schon zugesprochen wird. Und natürlich wollen wir Susanne und Walter Bratschi besuchen, die hier mit Susis Bruder und seiner Frau Ferien machen. Wir verbringen einen schönen Nachmittag und Abend zusammen, sie überhäufen uns mit sehr willkommener Heftli-Lektüre (an Magazine – und dann erst noch über Camping- und Motorhomes, kommt man im Ausland selten), Aromat aus der Heimat und Wein aus dem Hotel… Danke vielmals!!! Es ist immer schön, Bekannte und Freunde aus der Schweiz zu treffen!

Zurück in KhaoLak feiern wir dann die erfolgreiche Bremach-Reparatur mit einem Grillabend, den es uns aber so richtig Monsunmässig verregnet. Paul und Brigitta, die wir von Siem Reap her kennen, treffen auch hier ein, aber nur zum „Hallo“ sagen, denn sie fahren für ein paar Tage mit einem Schiff raus zum Tauchen. Ein paar Tage später sind sie zurück, dann kommen auch noch die beiden Töffler Andrea und Thomas dazu, die wir ja auch kurz vor Siem Reap getroffen hatten. So sind wir wieder eine richtige Camping-Familie, wenn auch das Wetter nicht mitmacht und ich vor allem Andrea und Thomas für ihr Ausharren im Zelt bewundere! Die Zeit vergeht wie im Fluge, wir grillieren ein paar Mal und haben es immer sehr lustig zusammen. Doch so nach und nach fahren alle wieder weiter und der Platz leert sich wieder.

Auch wir wollen noch ein paar Strecken und Orte auskundschaften für den näherrückenden Besuch von Silvia und Res. So verbringen wir zwei Nächte im Khao Sok Nationalpark und sind sehr erfreut, dass sich kurz nach unserer Rückkehr nach KhaoLak auch Brigitta und Paul wieder zu uns gesellen! Ihnen hat es in Phuket nicht sonderlich gefallen und da sie schon bald nach Australien verschiffen wollen, fangen sie hier auf dem Platz mit dem Putzen ihres Autos an (die australischen Zöllner sind bekannt wegen ihrer Pingeligkeit punkto Sauberkeit!). Irgendwie ist das sehr ansteckend, so dass der ganze Platz bald einmal übersät ist mit ihren und unseren Habseligkeiten zum Waschen und Trocknen… auch Kölbi kniet und legt sich unters Auto um die Überbleibsel einer lange zurückliegenden Fahrt über eine türkische Bitumenstrasse (klebriger Teer ohne Split…) zu beseitigen. Abends belohnen wir uns dann jeweils mit feinem Thai-Essen und zwischendurch natürlich auch mal mit einer Massage oder einem Eis von der mobilen Glacefrau…. :-)

Unvergesslich in Erinnerung bleibt uns sicher auch der „Discoabend“ mit unseren Massagefrauen. Kölbi hat am frühen Abend die Musikanlage rausgeholt und da gesellen sie sich spontan zu uns zu einem Bierchen und ausgelassenem Tanzen! Das ist eine für mich typische, schöne Thai-Eigenschaft: das Leben geniessen, wenn sich eine Gelegenheit bietet!!! Arbeit gibt es schliesslich genug den ganzen Tag.

Schliesslich ist das langersehnte Datum von der Ankunft unserer Schweizer Freunde endlich da und wir können sie am Flughafen Phuket am 1.März in die Arme schliessen. In unserem Cruisie fahren wir an die schöne Layanbeach und haben uns auf dem Liegestuhl viel zu erzählen. Silvia und Res haben uns viele Grüsse aus der Schweiz, liebevoll gemachte Päckli meiner Eltern, unsere Sonderwünsche und dann erst noch Würste und Klosterbräu mitgebracht! So hatten sie doch einiges zu Schleppen und prompt auch Gewichtsprobleme bei der Gepäckaufgabe… :-)

Am nächsten Tag fahren wir nach Patong rein um ihnen ein Auto zu mieten – und nach einer ersten Enttäuschung finden wir dann schlussendlich in einem kleinen Suzukijeep das richtige Fahrzeug. Auf der Heimfahrt stoppen wir spontan auf einem Markt und bereits nach einer halben Stunde haben die zwei die meisten ihrer Souvenireinkäufe erledigt. Das nenne ich speditiv! Aber viel länger hätten sie auch nicht Zeit gehabt, kurz darauf geht ein Höllengewitter nieder…

Am nächsten Tag geht‘s über eine landschaftlich schöne Bergstrecke zu Olivers Banana-Guesthouse, bei dem wir eine Bootstour in die traumhaft schöne Phang Nga Bucht gebucht haben. Mit einem „Stabmixer-Boot“ geht‘s zu verschiedenen Inseln mit wunderschönen, aber vielbesuchten Traumstränden, wo wir im glasklaren Wasser auch Schnorcheln können. Nach dem wohlverdienten Picknick geht‘s zurück und wir fahren danach noch bis an „unsere“ Bucht bei Krabi, wo schon Brigitta und Paul auf uns warten. Alle zusammen feiern wir dann Res 50. Geburtstag mit einer feinen Grillade und diversem Feuerwerk ganz nach thailändischer Art: erst werden mit viel Getöse die bösen Geister vertrieben, dann gibts eine ganze Batterie Raketen und danach lassen wir Wunsch-Laternen steigen… dazu gute Musik und Fachsimpeln übers geeignete Reisemobil (wobei Paul und Kölbi sich ja einig sind: es geht nichts über einen Toyota HJZ).

Auf der Aonangtour am nächsten Tag müssen wir uns dann von Brigitta und Paul (wohl für längere Zeit) verabschieden; hoffentlich sehen wir uns in Australien wieder!

Nach einer eher ungemütlichen Nacht mit einer Ameiseninvasion mitten in unser Bett rein (auch die haben sich wohl ins Trockene retten wollen :-) ) fahren wir durch die einzigartige Felsenlandschaft Richtung Norden. Unterwegs halten wir bei einem Bergtempel, bewundern die fein geschnitzten Figuren und kunstvoll verschachtelten Dachkonstruktionen und machen Mittagsrast bei einem sehr rustikalen Nudelsuppenstand:  Blutwurststücke und Hühnerfüsse inklusive!

Nachmittags trudeln wir dann im Khao Sok Nationalpark bei Miss Rattana ein; Bungalowbesitzerin, Wäschefrau, Kochschulleiterin und Restaurantbetreiberin (Service und Küche!) in Personalunion (sprich: weil ihre zwei Angestellten zu einer Beerdigung mussten, war sie ganz alleine für alles zuständig!). Das konnte ja nicht wirklich gut gehen, vor allem nachdem wir ihr noch zwei Riesensäcke mit Dreck-Wäsche brachten… aber sie ist gut im Organisieren: zwischendurch hat sie immer wieder die Waschmaschine gefüllt, Kochschule gab‘s nebenbei während dem Kochen für die Gäste im Restaurant. Silvia und ich haben erst zugeschaut und dann gleich mitangepackt: Gemüse und Fleisch schnippeln, Reis anrichten, Shakes machen und auch gleich noch bedienen! Die Situation kenne ich ja aus meiner eigenen Restaurant-Erfahrung: es gibt nie so viele Gäste wie wenn man knapp an Mitarbeitern ist….

Nach einer kühlen Nacht und einem gemütlichen Frühstück auf der Bungalow-Terrasse brechen wir zu einer Dschungelwanderung in den Nationalpark auf. In dem heiss-schwülen Wetter sind wir schon bald durchgeschwitzt und freuen uns aufs Bad im kühlen Fluss. Kaum sind wir drin fängt‘s an zu regnen und kurz darauf entdecken wir beim Picknick die ersten Blutegel… recht schnell sind wir wieder auf dem Heimweg, aber ausser bei mir saugt sich bei jedem eins dieser niedlichen Tierchen fest! Mit Hilfe von Kölbis Feuerzeug lassen sie sich jedoch innert Sekunden wieder fallen ;-)

Zurück im Bungalow stellen wir fest, dass der Stromausfall vom Morgen immer noch nicht behoben ist und auch Miss Rattana noch nicht zurück ist von ihrer Einkaufstour. Also machen wir uns ein gemütliches Znacht auf der Bungalowterrasse bei Kerzenschein. Bei Gesprächen übers Reisen und Zukunftspläne vergeht ein weiterer schöner Abend.

Am nächsten Morgen beim Frühstück machen kriegen wir Überraschungsbesuch: ein Affe schleicht sich übers Stromkabel an und klaut hinter Kölbis Rücken ein Ei aus der Verpackung…! Das gibt natürlich ein Gelächter, vor allem als er nochmals zurückkommt um zu schauen ob noch eins übrig ist. Gutgelaunt fahren wir weiter bis zum Phang Nga Nationalpark, wo wir ein erfrischendes Bad im Wasserfallpool nehmen. Hier schwimmen viele grosse Fische mit uns rum, die von den Thais rege gefüttert werden (-und ausserhalb des Nationalparks wohl auch fleissig wieder rausgefischt werden…). Von hier ist es nicht mehr weit bis zu unserem Lieblingsstandplatz in KhaoLak und schon am Nachmittag können wir uns im Meer abkühlen. Die nächsten paar Tage vergehen wie im Fluge mit Streifzügen über den Markt, Massagen und Strandspaziergängen.

Zurück in Phuket machen wir noch eine Fahrt zum Big Buddha hoch oben auf einem Aussichtshügel, geben das Mietauto zurück und geniessen die letzten gemeinsamen Stunden, bevor wir Silvia und Res an den Flughafen zurückbringen müssen. Es war eine schöne und erlebnisreiche Zeit zusammen, Danke!

Kölbi und ich müssen uns nun aber erst mal sputen um an die Grenze nach Malaysia zu kommen, läuft unser Visa doch schon am nächsten Tag aus! Unterwegs kommen uns noch Brigitte und Edy mit dem Robusto(6x6MAN) entgegen, sie kommen gerade von Malaysia her. Schon sind wieder zwei Stunden rum mit News austauschen…. aber das sind immer die besten Informationen von Mitreisenden, die gerade aus dem Land kommen, das wir besuchen wollen. Und ich kriege erst noch ihre restliche SIM-Internetkarte geschenkt! So gut gerüstet machen wir uns am nächsten Tag auf an die malayische Grenze. Doch davon und von unserer Verschiffung nach Australien und unserem geplanten Kurzbesuch in der Schweiz berichte ich Euch dann im nächsten Teil….

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Südthailand

Nun, wir können uns nur mit Mühe – und der Aussicht auf einen Zwischenstopp auf der Insel Chang- von Sihanoukville und Kambodscha losreissen. Der Grenzübertritt verläuft recht zügig, nur haben die Thailänder Zöllner Mühe, unser Fahrzeug ins Computersystem einzugeben. Offenbar weil wir kurz zuvor schon mal eingereist sind. Schlussendlich können wir das Problem mit Hilfe des Carnets lösen.

Kurz nach der Grenze, beim wohlverdienten Z‘Mittag (Tom Yam mit Seafood) spricht uns ein Thailänder an weil er unser Auto gesehen hat. Er wohne in der Nähe des Flughafens in Bangkok, sei selber auch schon Rallyes gefahren und wir sollten ihn doch bitte unbedingt mal besuchen kommen… da er jetzt aber auf dem Weg nach Kambodscha ist, machen wir für den Weihnachtstag ab, weil wir von da aus am nächsten Tag Theres und Harald bequem am Flughafen abholen können. Der Trip auf die Insel Chang ist dann eher enttäuschend. Alles sehr touristisch, ausser im Südosten der Insel – und da kommen wir nicht hin, weil ein Erdrutsch die Strasse weggerissen hat und wir der Behelfsbrücke unser Gewicht (vom Auto! ;-) nicht zutrauen…

Wir kommen deshalb früher in Bangkok an als geplant, was aber wegen den bevorstehenden Feiertagen inklusive Wochenende auch nicht schlecht ist. Wir sind ja immer noch auf der Suche nach neuen Reifen für unseren Cruisie und der Schweizer Schiffsagentur „the Freight“, die wir für die Verschiffung nach Australien ins Auge gefasst haben, möchten wir auch gerne einen Besuch abstatten. Unserer Suche nach BF Goodrich All Terrain-Reifen erledigt sich schneller als gedacht: bereits die erste Adresse, die wir ansteuern, hat gerade noch vier Stück am Lager und sie wollen sie auch gleich montieren! Kurzentschlossen greifen wir zu, kommen dadurch aber im Feierabendverkehr in die Grossstadt Bangkok rein…! Trotz Navigationssystem ist es nicht ganz einfach in dem Gewusel von Auf- und Abfahrten der Autobahn- und Schnellstrassen-Kreuzungen auf mehreren Stockwerken die Übersicht zu behalten. Dafür kommen wir dann in den Genuss der Weihnachts-Beleuchtung in den Strassen rund um die Regierungsgebäude. Ansonsten ist hier in Thailand, mal abgesehen vom einen oder anderen geschmückten Tannenbaum oder einem verkleideten Thai-Weihnachtsmann, von unserer westlichen Advents-Weihnachts-Mania nicht viel zu spüren. Uns fehlt‘s nicht.

Für die nächsten Tage campieren wir im Hof des Penpark Place, einem Hotel in der Nähe von Khaosanroad (der Rucksacktouristenstrasse), dem Fluss mit seinen Busbooten und somit auch nicht weit vom Königspalast entfernt. Wir verbringen die Tage mit Besorgungen, Einkaufen und staunen abends ob all den verschiedenartigen Touristenwesen, die Thailand besuchen kommen und sich konzentriert hier rumtreiben. Auch der Schiffsagentur statten wir unseren Besuch ab, wir werden freundlich und auf Schweizerdeutsch empfangen und bekommen all unsere offenen Fragen beantwortet.

Am Weihnachtstag besuchen wir wie abgemacht Bop, den thailändischen Rallyefahrer. Es stellt sich heraus, dass er der viertgrösste Crevettenzüchter des Landes ist und Geld wohl kein Problem ist… Wir machen zusammen eine Führung durch seine Aufzuchtstationen und dann lädt er uns zum Essen in ein feines, traditionelles Seafood-Restaurant gleich am Meer ein und neben einem Tempel gelegen, den wir dann auch noch besuchen. Den Abend verbringen wir mit Fotos und Videos anschauen von seinen Rallyes, die er mit dem Petronas – Team in Tibet und Indonesien mitmachen durfte. Eine andere Art des Reisens als wie wir es kennen: alles sehr organisiert, mit viel Zeitdruck fahren sie im Konvoi durch die schönsten Gegenden dieser Erde, übernachten in tollen Hotels, aber ohne wirklich gross Kontakte, persönliche Eindrücke und Erfahrungen mit der heimischen Bevölkerung zu machen. Da schätzen wir unsere Art des Reisens wieder besser, auch wenn wir manchmal unangenehmen Situationen ausgesetzt werden. Gerade sie sind schlussendlich der Pfeffer in der Suppe, die ruhig auch mal versalzen sein darf! Die Nacht „müssen“ wir dann – das erste Mal seit langer Zeit! – in Bop‘s Haus schlafen statt im Cruisie… was nicht allzu schwer fällt in einem Haus, wo selbst im Gästeflügel die Badewanne grösser ist als der Grundriss unseres Fahrzeugs…!

Am nächsten Morgen fahren wir dann voller Vorfreude zum Flughafen um Resli, Kölbis Schwester, mit ihrem Freund Harald abzuholen. Wegen der Höhe unseres Cruisies können wir nicht auf dem offiziellen Parkplatz stehen, dafür aber gleich vor dem Terminal bei den VIP‘s… Mit einiger (Flug-) Verspätung können wir die zwei dann endlich in die Arme schliessen und fahren danach sofort Richtung City zu unserem Hotel. Die Skyline von Bangkok beeindruckt mich immer wieder! Wir verbringen zwei Tage zusammen in dieser Grossstadt, machen eine Bootstour und kleine Besichtigungen, etwas Shopping – aber das Wichtigste ist das Zusammensein und Neuigkeiten austauschen! Auch müssen sich die zwei erst mal an das warme Klima hier gewöhnen und an den Zeitunterschied von 6 Stunden. Aber danach geht‘s los, wir fahren Richtung Süden, endlich ist wieder Strandleben angesagt! Zwei Tage verbringen wir in Ban Krut, einem Badeort an der Ostküste und geniessen dort die herrliche Massage und das feine traditionelle Essen (Fisch und Seafood!). Nach einem weiteren Tag Fahren, den Resli wegen gesundheitlichen Problemen meist liegend in unserem Bett verbringt (…scheinbar haben wir doch ein Ambulanzfahrzeug… ;-) erreichen wir schliesslich Bang Niang in Khao Lak, wo wir uns mit anderen Overlandern fürs Neujahr verabredet haben. Die Wiedersehensfreude mit all den liebgewonnenen Reisegefährten ist gross und das Bier fliesst reichlich…! An Sylvester gibt‘s ein schönes Lagerfeuer mit Grilladen und selbstgemachten Salaten und um Mitternacht ein tolles Feuerwerk an der Beach. Die Zeit und die Tage mit unserem Besuch vergehen wie im Fluge. Wir unternehmen auch einen Ausflug zu der berühmten James-Bond-Insel, fahren mit Kajaks durch die senkrecht aufragenden Felsformationen im Meer und schauen uns am Nachmittag noch eine der faszinierendsten Höhlen an, die ich je gesehen habe. So viele unterschiedliche Formen und Auswachsungen von Stalaktiten und Stalagmiten bringen nicht nur mich ins Staunen… total erschöpft kommen wir am Abend zurück und ich verziehe mich gleich ins Bett. Am nächsten Tag fahren wir schliesslich bereits nach Phuket, da Resli und Harald am 6. Januar schon frühmorgens am Flughafen sein müssen. Ihr Besuch hat uns riesig gefreut, auch wenn die Zeit wie immer viel zu kurz war, aber wir haben doch wieder viel neues von „Zuhause“ erfahren – und nicht zu vergessen die guten Weihnachtsguetsli (von Regula noch am Abreisetag frisch gebacken!) und die feinen Althüsli-Würste (danke für die Expresspost Tim und Chrigel!), die die zwei uns aus der Heimat mitgebracht haben. Der Abschied fällt schwer, aber wir machen‘s kurz und sind schon zwei Stunden später am Rumrennen in Phuket-Town um unser Visa und die Fahrzeuggenehmigung zu verlängern. Als alles erledigt ist, wollen wir nur noch eins: zurück nach Khao Lak und noch ein paar entspannte Tage und Wochen an der Beach verbringen. Zwischendurch fahren wir mal etwas nordwärts und klappern ein paar Strände ab. Dabei bricht unsere bereits angeknackste Plattfeder vollends durch und wird noch am gleichen Nachmittag durch eine Mitsubishi-Feder ersetzt. Mit Bruno, unserem SG-Overlanderfreund aus der Mongolei, verbringe ich einen tollen Tag bei einem Schnorchelausflug zur Tha Chai – Insel. Ich bin ganz begeistert von dem kristallklaren Wasser dort, sehe einen Babyhai und eine Schildkröte schwimmt um uns herum. Und all die schön farbigen Fische in den Korallen! Das „Meerfieber“ hat mich wieder so richtig gepackt und ich gehe auch jeden Tag schwimmen. Nur ist leider das Wasser in Bang Niang nicht so klar…

Nach drei Wochen reissen wir uns schliesslich von dort los und fahren nach Phuket runter, um Patrick, einen Freund der dort Ferien macht, zu besuchen. Im zweiten Anlauf treffen wir ihn dann in seinem Hotel in Patong und gehen gleich Peter Kräuchi‘s Bruder in seinem Schweizer Beizli da besuchen. Es gibt viel zu erzählen und bei Bratwurst&Rösti und ein paar Bierchen (herzlichen Dank, Peter!) geht der Nachmittag schnell rum. Die nächsten Tage verbringen wir an den nördlichen Stränden von Phuket, wo es noch recht ruhig und beschaulich zu- und hergeht, im Gegensatz zum völlig überlaufenen Patong und Karon. Unsere nächster Halt ist dann in Tha Lang, wo ich unbedingt eine Kanutour durch die Höhlencanyons und Mangroven machen will. Ich bin ganz fasziniert von der tollen Gegend mit ihren senkrecht aufragenden Kalksteinformationen. Teils stehen sie als Inseln im Meer, andere ragen steil aus dem Dschungel auf. Die Kanutour machen wir ohne Führer, die Frau am Ticketschalter meint, wir sollen einfach den anderen Kanus nachfahren, das sei kein Problem… – und der Mann, der die Kanus rausgibt, empfiehlt uns dann gleich loszupaddeln, bevor die ganzen Gruppen kämen… Tja, das wird dann dummerweise unser Verhängnis, weil wir so nämlich niemandem nachfahren können! Aber erst einmal geniessen wir die völlige Ruhe und Ungestörtheit beim Durchpaddeln des Canyons. Sehen Vögel, Fische, Krabben und grosse Leguane. Danach geht‘s durch Mangrovenwald, wo uns auch noch 2 Kanus entgegen kommen. Tja, und dann verfahren wir uns irgendwie, erwischen den falschen Abzweiger, kommen irgendwann nicht mehr weiter, paddeln gegen die Strömung zurück, verfahren uns immer weiter in dem unübersichtlichen Mangrovenwald… die Sonne steht schon senkrecht über uns, sie hilft uns auch nicht weiter zum Richtung bestimmen… Plötzlich sind wir in einem immer enger werdenden Kanal, wo Motorboote angelegt sind. Ein gutes Zeichen, denken wir. An einer Brücke steigen wir aus und gehen der Strasse entlang, bis wir auf einen Menschen treffen. Als wir nach Tha Lang fragen, zeigt er in die eine Richtung, bedeutet uns aber, dass wir den Kanal in die entgegengesetzte Richtung, da wo wir hergekommen waren, zurückpaddeln müssten! Total frustriert setzen wir uns wieder ins Kanu und paddeln und paddeln… irgendwann kommen wir an eine Kreuzung mit sechs verschiedenen Richtungen und wir wissen wieder nicht mehr wohin weiter! Nach einer Weile verzweifeltem Rumsitzen und nicht wissen was tun hören wir in der Ferne ein Motorboot. Unsere Rettung! Wir winken und fragen die Fischer nach dem Weg und sie haben Erbarmen mit uns, wenden und schleppen uns (weit!) zum Hafen zurück. Überglücklich und dankbar geben wir ihnen etwas an die Benzinkosten und gönnen uns dann erst mal einen feinen Fisch da im Restaurant. Beim Weiterfahren mit dem Cruisie passieren wir erst nach etwa einer halben Stunde (!) die Stelle, wo wir an der Brücke ausgestiegen sind… mit Auto und GPS ist schon eher unser Ding als mit Kanu, Mangroven und Sonnennavigation ;-)

Vor Krabi und der AoNangbeach haben uns schon viele gewarnt, das sei total zugebaut und überlaufen, also halten wir ein bisschen weiter aussen Ausschau nach einem schönen Platz zum Stehen. Wir werden nicht enttäuscht und verbringen wieder ein paar gemütliche Tage mit Nichtstun und Blasenkurieren (vom paddeln). Sobald uns Wasser und Brot ausgeht, machen wir uns wieder auf den Weg, dieses Mal nach Koh Lanta, einer Insel im Süden, wo wir vor 20 Jahren schon waren. Damals noch klein und beschaulich, hat sich inzwischen der Tourismus gross entwickelt, wie fast überall in Thailand. Wahrscheinlich auch dank der Autofähre, die es jetzt auf die Insel gibt. Erst ganz am südlichen Ende entdecken wir noch ein paar ruhige Buchten, wo wir wunderschön unter Palmen stehen können. Es regnet ab und zu, die Thais meinen, das sei aussergewöhnlich, aber scheinbar gehört das inzwischen schon fast zu unserer Reise, dass es überall etwas mehr regnet wie normal… und so lange der Regen so warm herunterkommt wie hier, ist er ja auch kein Problem und eine nette Erfrischung zwischendurch!!!

Dank:

Auf der Fähre von Koh Lanta ans Festland zurück ist uns etwas Unglaubliches passiert und wir möchten Markus aus der Schweiz auf diesem Weg gerne danke sagen! Er hat mit uns geplaudert und war dann so begeistert von unserer Reise, dass er uns spontan einen namhaften Betrag in Thai-Baht an den Diesel gesponsert hat! Merci!

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Laos und Kambodscha

Über die Freundschaftsbrücke reisen wir zurück nach Laos und damit auch wieder zurück zum Rechtsverkehr. Unser Ziel ist die Hauptstadt Vientiane, schön am Mekong gelegen. Gleich als erstes suchen wir das thailändische Konsulat auf um ein Visum für den nächsten Besuch zu beantragen.

Wir treffen auf viele Ausländer, die schon seit Jahren in Thailand leben und sich immer wieder aufs Neue um ein Visum bemühen müssen, was ihnen allerdings von Thaiseite immer schwieriger gemacht wird. Und das wir auch hautnah miterleben… – also ist es doch nix mit dem ewigen Paradies?! Dafür treffen wir auf mehrere Overlanders hier, was uns riesig freut! Zuerst ein englisches Rentnerpaar, Ann und
Clive, die auch schon seit langem in ihrem Truck unterwegs sind und uns Mike Murphy, einen guten Mechaniker hier in Vientiane vermitteln. In der Stadt kreuzen wir uns mit der Familie Sans, mit denen wir durch China gefahren sind und haben uns eine Menge zu erzählen. Sie stehen wie die meisten Overlander auf einem der öffentlichen Parkplätze, wo es uns aber etwas laut und zu sonnig ist. So fragen wir im nahen Wat (Tempel), ob wir da im Schatten eines mächtigen Baumes stehen dürfen und die Mönche geben uns grosszügig ihr ok. Mit dem Segen Buddhas verbringen wir so eine geruhsame Nacht, werden dafür aber schon früh durch die Gebetstrommeln geweckt… nun gut, man kann nicht alles haben! Nachdem wir beim Mechaniker einen Termin für den morgigen Tag ausgemacht haben, treffen wir beim Visa-Abholen auf Brigitte und Edy, die mit ihrem MAN-Laster schon seit Jahren unterwegs sind und von denen wir schon viel gehört hatten…! Wir verquatschen ein paar schöne Stunden in einer Beiz und versprechen uns, dann in Thailand an einer Beach mal mehr Zeit miteinander zu verbringen… sie wollen nämlich heute noch über die Grenze. Und wir sind zum Abschiedsfest von Conny und Boris hier von Vientiane eingeladen; wir haben die zwei mit Freunden in Kirgistan auf Töfftour getroffen. Es ist ihr letzter Abend hier, morgen fliegen sie zusammen nach Kuala Lumpur um an Boris Arbeitsplatz eine Familie zu gründen… wir haben sie wirklich gerade noch „last minute“ hier in Vientiane erwischt!

Nach einer kurzen Nacht fahren wir frühmorgens zur Werkstatt, wo sie wirklich gute Arbeit leisten und unser „Schwabbeln“ der Vorderräder minimieren und auch die Bremsleistung wieder auf Vordermann (bzw die Hinterachse) bringen.


Bereits am Mittag sind wir wieder on the road und Richtung Vang Vieng unterwegs, wo wir uns in der herrlichen Karstlandschaft und am Swimmingpool eines Hotels an traumhafter Lage ein paar Tage erholen können. Vang Vieng ist ein sogenanntes Backpacker-Traumziel mit vielen Gästehäusern, man kann auf aufgeblasenen Reifen den Fluss runtertreiben und schwimmend die vielen Bars besuchen, – was dann auch ausgiebig gemacht wird ;-) Leider wird dabei kaum auf die (Kleider-) Sitten und Gebräuche der Einheimischen Rücksicht genommen, spätnachts noch torkeln die Touris in Bikinis durch die Gassen und auch die Endlos-“Friends“-Folgen auf den Bildschirmen der Restaurants wirken auf uns eher befremdlich… – ist das Urlaub???

Die Weiterfahrt zur Ebene der Tonkrüge ist dann ein wirkliches Highlight! Tolle Landschaft durch senkrecht aufsteigende Hügel und Berge und zuoberst auf dem Pass sogar ein fast schweizerisch anmutendes Bergrestaurant mit atemberaubender Aussicht. Sicherlich eine der schönsten Fahrstrecken unserer Reise! Wir campieren an einem hübschen See und besuchen am folgenden Tag die faszinierenden „Tonkrüge“: bis zu 6 Meter hohe in Form von Krügen behauene Steinblocks, über deren Entstehung vor über 2000 Jahren und Gebrauch (Urnen?) man bis heute nichts genaues weiss. Betroffen hingegen machen uns die vielen Bombenkrater, die in der ganzen Gegend sichtbar sind. Dieses Gebiet gehört zu den von den Amerikanern am stärksten bombardierten Landstrichen dieser Welt – obwohl die USA Laos offiziell gar nie den Krieg erklärt und diesen Beschuss lange geheim gehalten hat!

Über eine abenteuerliche Dschungelpiste fahren wir weiter in den Süden und übernachten am Fluss bei einem kleinen Dorf. Freies Campieren ist hier eigentlich nirgends ein Problem, die Menschen und auch die Kinder sind sehr freundlich und zurückhaltend und lassen uns in Ruhe baden und kochen. Undenkbar in Indien!

Wieder geht‘s dem Mekong entlang, dann machen wir einen Abstecher durch wunderschöne Gebirgslandschaft zur imposanten KongLhor-Höhle. Auf dem Fluss, der durch die Höhle fliesst, fahren wir auf einem motorbetriebenen Holzboot während einer Stunde(!) durch riesige Hallen um auf der anderen Seite der Bergkette, die der Fluss so durchquert, ein Bierchen trinken zu
dürfen und danach wieder retour zu fahren! Welch ein Abenteuer muss das für die paar Einheimischen gewesen sein, die sich als erste auf diesen Fluss durch die Höhle wagten, ohne zu wissen wo sie rauskommen würden?!

Auf dem Weg zurück zum Mekong übernachten wir an einem netten Badeplatz, den bereits die Franzosen während der Kolonialzeit zum Abkühlen genossen; er heisst auch dementsprechend „Tha Falang“ (Ausländerquelle)… Beim Frühstück werden wir von einem Mountainbiker angesprochen: Ruedi Lüthy ist Schweizer, hat ein Praktikum auf der „Fenchnern“ in Scheuren (Bauernhof in Chrigis Nachbardorf) gemacht und arbeitet jetzt für das grösste Staudammprojekt in Südostasien! Wir verbringen einen interessanten Morgen zusammen, er weiss uns viel über Laos zu berichten.

Unser nächstes grösseres Ziel ist das Bolaven-Plateau; auf über 1000 Metern über Meer gelegen ist es berühmt für den Kaffee, der dort angebaut wird und seine imposanten Wasserfälle. Wir geniessen das erfrischende Baden und verbringen ein zwei nette Tage mit ein paar Fahrradfahrern, die wir dort kennenlernen. Vom Gebiet der „Tausend-Inseln“ im Süden Laos sind wir eher enttäuscht und so überqueren wir schon bald die kambodschanische Grenze, wo wir gleich schon mit der hier überall herrschenden Korruption konfrontiert werden… für jeden Stempel und jedes Papier noch 2 Dollar extra, aber mit einem freundlichen Lächeln und ein wenig stur bleiben kommt man auch (fast) ohne Schmieren durch! Wir verbringen die Nacht nahe Kratie, wo sich die letzten Irrawaddy-Delfine im Mekong tummeln sollen, die wir aber leider nirgends entdecken können. Dafür fahren wir durch malerische Dörfer, kriegen immer wieder ein freundliches Hallo von den Kambodschanern zugerufen und fühlen uns sofort gut aufgehoben hier.

Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Kambodscha gekommen, hatte einen Riesenrespekt vor der jüngeren Geschichte hier mit all den Gräueln, die dieses Land und seine Menschen vor nicht langer Zeit (bis Mitte der 90er Jahre) durch die roten Khmer und PolPot erdulden mussten („killing fields“). Die Kambodschaner schenken uns immer wieder ihr strahlendes Lächeln, doch manchmal frage ich mich, was (ver-)steckt (sich) dahinter? Haben sie mit dem gleichen Lächeln auch gefoltert und gemordet?

Versteht mich bitte nicht falsch: ich fühle mich sehr wohl und sicher hier – aber genau das verwirrt mich ja so! Heute sind fast genau die gleichen Leute der alten Khmer Rouge mit Hun Sen (Präsident) wieder an der Macht; wie können die Kambodschaner mit all den Narben und Verletzungen in ihren Herzen damit umgehen und weiterlächeln?

Die Landschaft selbst ist von atemberaubender Schönheit, überall steht Wasser auf Reisfeldern und in Teichen, die Häuser sind häufig auf Stelzen gebaut wegen der vielen Überschwemmungen und das Licht ist von einer unglaublichen Intensität… eines der fotogensten Länder, trotz (- oder wegen?) seiner Armut und Einfachheit, finde ich!

Kurz bevor wir Siem Reap erreichen, haben wir dann eine freudige Begegnung der anderen Art: zwei Töffler mit Alukisten kommen uns entgegen, Kölbi geht sofort auf die Bremsen, die zwei drehen um und als sie die Helme ausziehen, können wir unser Staunen kaum verbergen: es ist Thomas Bäumel mit seiner Freundin Andrea; mit ihm sind wir 1992 von Islamabad bis nach Delhi gefahren!!!


Gleich am ersten Abend in Siem Reap dürfen wir einem Konzert von Beatocello, alias Dr. Beat Richner zuhören, der auch von seiner Arbeit im Kinderspital hier erzählt. Ich bin tief beeindruckt davon, was dieser Mensch mit seinem kambodschanischen Team leistet und wie sehr er gegen die Korruption ankämpft und für die kambodschanischen Kinder. Egal ob arm oder reich, jedes wird gleich und gratis behandelt, da sich die meisten hier gar kein Spital leisten könnten, was ihm aber von der WHO zum Vorwurf gemacht wird und weswegen er von offizieller Seite kaum finanzielle Unterstützung kriegt! Wir können aber auch spüren (v.a. nach der Lektüre seines Buches), wie sehr er leidet unter dem Spendensammeln, dem “Betteln”, wie er sagt. Mitte Dezember ist er dafür wieder auf „Schweizertour“. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen viel Erfolg! Bei den Touristen hier wirbt er mit dem Slogan: “Geld oder Blut – am besten beides…!” und so gehe ich dann auch ins Spital zum Blutspenden… ;-)

Die grosse und berühmte Attraktion hier sind jedoch die Tempelruinen von Angkor. Die erste Besichtigungstour machen wir mit dem Fahrrad, was zwar unserer Kondition gut tut, aber wegen der Hitze und Weitläufigkeit der Anlage nicht wirklich empfehlenswert ist. Wir sind schnell mal gesättigt ob all der Eindrücke, auch wegen den Touristen – Busladungen, die sich unaufhörlich über die Tempelruinen ergiessen…

Abends geniessen wir den Swimmingpool des „Earthwalkers Guesthouse“, wo wir im Garten campieren, in vollen Zügen (- und machen die nächste Tour mit dem Auto)! Wir freuen uns sehr, als eines Tages noch ein anderer Landcruiser dort campiert mit CH-Nummernschildern und wir so Brigitta und Paul kennenlernen. Sie sind bereits seit mehreren Jahren auf unserer schönen Welt am Reisen und geben uns viele Tipps und Erfahrungen weiter. Und stecken uns auch mit dem Afrika-Reise-Virus an, fürchte ich…

Unsere nächste Station ist Phnom Penh, die Hauptstadt. Wir campieren auf einem öffentlichen Parkplatz nahe am Mekong, den wir hier zum letzten Mal auf unserer Reise sehen.

Die Stadt durchstreifen wir mit unseren Fahrrädern, besichtigen den Königspalast, kriegen aber schon bald einmal genug von all dem Lärm und Verkehr… wir sind halt wirkliche „Landeier“! Bevor wir aber weiterziehen, treffen wir uns noch mit Filipp, einem Schweizer Radfahrer, den wir in Tajikistan getroffen haben, zum Frühstück. Er hat eine imposante und sicherlich entbehrungsreiche Reise um Tibet herum hinter sich und weiss einiges zu erzählen!

Uns aber zieht es jetzt endgültig runter in den Süden und ans Meer… wir haben von Sihanoukville gehört und dass man am Otres-Beach gut campieren kann und das geniessen wir jetzt in vollen Zügen! Schwimmen, faulenzen, gut essen gehen, mit anderen Overlandern, die auch hier stehen, sich gut unterhalten, Lagerfeuer machen… gut, dass sich Resli, Kölbis Schwester auf den 26. Dezember in Bangkok für einen Besuchs-Urlaub angemeldet hat, sonst würden wir wohl noch ewig hier bleiben. So aber freuen wir uns riesig auf die Zeit zusammen; wir werden gemeinsam bis Phuket reisen und da nachher wohl eine Weile das Beachlife in Khao Lak geniessen.

 

Wir wünschen Euch allen schöne Festtage und ein gutes, gesundes Neues Jahr! Auf dass es uns alle unserem Traum vom perfekten Leben ein Stück näher bringt….

 

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Im Norden von Laos und Thailand

Ich sitze hier gemütlich auf einem Liegestuhl am Swimmingpool, vor mir die grandiosen Karsthügel und die tropische Vegetation von Vang Vieng im zentralen Laos – und weiss eigentlich gar nicht so recht, über was ich schreiben soll… Die letzten Wochen sind nur so an uns vorbeigegangen, das Reisetempo haben wir massiv gedrosselt und geniessen einfach so das unbeschwerte Touristenleben Südostasiens! Irgendwie ist das zwar schön, – aber es fehlt auch das Abenteuer, das Spezielle der vorherigen Monate, wenn man zusammen mit hunderten von „gewöhnlichen“ Touristen unterwegs ist…! Also werde ich mich kurz fassen (Kölbi lacht zwar und meint, das sei eh nicht meine Art):

Kurz nach dem problemlosen Grenz-übertritt von China nach Laos treffen wir auf Bianca&Florian aus dem Tirol, die mit einem ähnlichen Autoaufbau auf ihrem Landrover unterwegs sind wie wir. Sie empfehlen uns ein nettes Gästehaus in Luang Namtha, wo am Abend dann richtig schöne Campingstimmung aufkommt. Wir haben nämlich noch Schweinesteaks aus China dabei, die wir mit Felix&Adrian, die mit uns China durchquert haben, endlich mal grillieren wollen und dazu noch Bianca&Florian und weitere Touristen aus dem Hotel… es wird ein richtig gemütlicher Abend mit vielen Reisegeschichten und auch das Bier fliesst in Strömen; – aber das trinken die Jungs ja nur für einen guten Zweck: die einheimischen Akha-Frauen basteln aus den leeren Bierdosen Schmuck, den sie an die Touristen dann ziemlich aufdringlich verkaufen. Und ebenso aufdringlich fordern sie uns halt die nächsten paar Tage zum Biertrinken auf….! Allmorgendlich geht ein prüfender Blick in die Runde, ob denn wirklich nicht noch ein paar Dosen mehr dringelegen wären. ;-)

Ich glaube, Kölbi ist schon fast ein wenig erleichtert, als wir uns von den Jungs und dem Zuela-Guesthouse verabschieden um mit Bianca&Florian in den Norden nach Muangsi zu fahren… Dort erleben wir auf dem Morgen-Markt noch die einheimischen Volksgruppen in ihrer traditionellen Tracht, vor allem die Akha-Frauen dekorieren ihre Kleidung mit auffälligem Silberschmuck. Auf dem Land sehen wir vor vielen Hütten die Webstühle in Betrieb, wo Frauen sich wunderschöne Stoffe mit traditionellen Mustern weben und zu Kleidung verar-beiten. Hier scheint die Moderne noch weit weg zu sein, obwohl es natürlich auch Handys und Fernseher mit (zum Teil) selbst gebastelten Satellitenschüsseln gibt. Die Reis-Ernte ist in vollem Gange, alles wird in Handarbeit erledigt: sicheln, zu Garben binden, dreschen und das Feld anschlies-send mit dem Wasserbüffel gepflügt.

Wir verbringen eine Nacht an einem Fluss gegenüber einer Schule und kriegen dadurch viel Besuch von zwar neugierigen, aber anfänglich dennoch recht scheuen Kindern. Diese Scheu legt sich aber recht schnell und am nächsten Morgen sind wir fast schon froh, als der Schulunterricht endlich anfängt!

Zurück in Luang Namtha staunen wir nicht schlecht, als auch Adrian&Felix, die doch eigentlich Richtung Süden wollten, wieder dort auftauchen. Die Wieder-sehensfreude ist gross, auch eine Woche später treffen wir in Chiang Mai noch einmal auf die zwei…- und da schenken sie uns sogar ihren Benzinkocher und einen vollen Feuerlöscher (wir haben ja unseren letztes Jahr beim Guetslibacken einsetzen müssen.. ;-) ), da sie ihren VW-Bus in Thailand verkaufen wollen und mit dem Fahrrad weiterreisen werden!

Vorerst verbringen wir aber noch ein paar schöne Tage zusammen mit Bianca&Florian auf dem Weg nach und in Luang Prabang, der alten Königsstadt am Mekong. Heute lebt die Stadt vom Tourismus mit all den Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Wir geniessen das breite Angebot an Restaurants, Buchläden und Einkaufs-möglichkeiten; sind dann aber froh, die dritte Nacht in der Natur draussen bei den wunderschönen KuangSi-Wasserfällen zu verbringen. Nach einem erfrischenden Bad in den türkisblauen Pools geniessen wir den besten grillierten Mekong-Fisch unserer bisherigen Reise! Am nächsten Morgen verabschieden wir uns auch von den zwei Tirolern und fahren los Richtung Thailand, das wir auch nach zwei gemütlichen Fahr-tagen über eine hügelige Nebenstrasse erreichen. Unterwegs treffen wir sogar noch auf einen Arbeits-Elefanten, auch in Thailand sehen wir später noch einen; aber sonst werden Elefanten mehrheitlich nur noch für die Touristen gehalten.

In Thailand sticht uns schnell den Unter-schied im Wirtschafts- und Entwicklungs-grad der beiden Länder ins Auge: hier ist alles viel moderner, technisierter und besser gebaut als in Laos. Das Ursprüng-liche, Traditionelle, das wir auf unserer Motorradreise vor 20 Jahren hier noch vorgefunden haben, verschwindet langsam. Aber es ist immer noch das Land des Lächelns und wir werden überall willkommen geheissen! Nach Chiang Mai machen wir eine Tour durch den Norden ans goldene Dreieck und weiter Richtung Pai.

Ich entdecke wieder einmal eine „Abkürzung“ auf der Karte, welche sich dann als abenteuerliche Schlammpisten-fahrt durch den Dschungel entpuppt. Weil wir im Grenzgebiet zu Burma unterwegs sind müssen wir uns auch noch bei einem einsam im Urwald stationierten Armee-posten ins Buch eintragen… – aber ich denke, die Soldaten da sind echt froh über die Abwechslung, die unser Besuch ihnen bringt und sie bestaunen unser Auto von allen Seiten. Weiter in den Bergen besuchen wir die Tham Lot Höhle, die wir auf einer Kajaktour zusammen mit anderen Schweiz-ern erkunden. Der Fluss hat recht wilde Stromschnellen für Ungeübte wie uns, wir kentern ein paar Mal und Kölbi schlägt sich sogar sein Bein auf an einem Felsen. Wir sind wohl schon zu sehr „Grufties“ für solche Adventure-Übungen ;-) Aber die Land-schaft ist wunderschön: alles intensiv-grün und tropisch überwucherte Fels- und Hügelformationen mit klaren Bächen in den Talsohlen, dazwischen immer wieder Reis-terrassen und Holzhütten. In Mae Hongson sind wir gerade zum Loi Krathong – Fest, dem Lichterfest zum Gedenken der verstorbenen Seelen. Auf allen Gewässern treiben schwimmende Blumenarrangements mit Kerzen und Lichterballone schweben zu Hunderten himmelwärts. Und natürlich Raketen und Feuerwerk die halbe Nacht durch!

Wir fahren weiter südwärts der burme-sischen Grenze entlang, wo wir das ur-tümliche, traditionelle Thailand doch noch finden. Tief beeindruckt sind wir auch, als wir einem riesiggrossen Flüchtlingslager über mehrere Kilometer entlangfahren, wo Hütte an Hütte steht und eine für diese Leute ungewöhnliche Dichte an Menschen wohnt. Wie es wohl sein muss hier jahre-lang zu leben und zu warten… – worauf?! Später erfahren wir dann auch noch, dass die burmesische Armee auch hier Übergriffe auf ihre Leute macht, obwohl sich das Lager in Thailand befindet!

In Sukhotai, einer ehemaligen Königsstadt mit vielen alten Tempeln und Chedis ge-niessen wir dann auf einer Fahrradtour die ruhige Atmosphäre der Ruinen inmitten grosszügiger Parks mit Teichen und vielen alten, schattenspendenden Bäumen. Wir sind nun ostwärts Richtung Isaarn unter-wegs und queren dabei eine grosse Fluss-ebene, wo wir noch viele überschwemmte Felder sehen. Sonst aber kriegen wir nicht viel mit von der grossen Flutkatastrophe hier in Thailand. Die Wassermassen sollen inzwischen ja bereits Bangkok erreicht haben, das viel weiter südlich liegt. Wie lange wird es wohl dauern, bis hier das Wasser ganz weg ist und wieder gepflanzt werden kann?

Wir verbringen noch ein paar gemütliche Fahrtage im Nordosten, bevor wir dann den Mekong über die Freundschaftsbrücke nach Vientiane,Laos überqueren. Doch davon werde ich später schreiben, jetzt lockt definitiv der Swimmingpool! Tschüss!

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China zum zweiten…

Nun, die Hoffnung auf eine schnelle und einfache China-Durchreise zerschlägt sich gleich schon an der Grenze… Unsere Agentur hat uns vor ein paar Tagen noch gemailt, dass wir am mongolischen Zoll noch ein Papier fürs Auto besorgen müssten. Und da wir einen Tag zu früh an der Grenze sind, wollen wir das am Abend vorher gleich noch erledigen, vielleicht können wir ja sogar zwischen den beiden Grenzen schlafen, so dass wir am nächsten Morgen schon früh an den chinesischen Zoll kämen. Das war unser Gedanke. Am mongolischen Zoll geht alles ruhig und easy, sie hetzen höchstens nur, weil sie uns klar machen wollen, dass der chinesische Zoll schon bald schliessen wird. Und als wir ihnen dann klar machen, dass wir noch so ein Papier bräuchten und eh zwischen den Grenzen schlafen wollen, geht plötzlich der Trubel los! Eine perfekt englisch sprechende Offizierin taucht auf und erklärt, dass das absolut unmöglich sei und sie die Stempel in unseren Pässen wieder annullieren müsse. Wir müssen zum Zollkommandanten, wo das dann auch geschieht. Bei der Gelegenheit frage ich nochmals nach diesem „inventory“ -Papier, aber keiner scheint so was zu kennen. Auch die Offizierin reagiert nicht auf meine Frage und sagt, wir sollen morgen wiederkommen.

Wir übernachten ausserhalb der Zollabgrenzungen und erleben am nächsten Morgen dann ein Schauspiel der besonderen Art: „unsere“ Mongolia-Rallye…. irgendwie habe ich mich ja schon gewundert, dass die Strasse zum Zoll die ganze Nacht leer geblieben ist und sich nicht schon eine Kolonne gebildet hat, vor allem weil eine Zöllnerin uns noch gesagt hat, wir sollen nicht am Morgen kommen, da habe es zu viele Autos da. Aber offensichtlich sperrt das Militär die Strasse weiträumig ab und gibt dann morgens um sieben den „Startschuss“: plötzlich tauchen aus allen Richtungen Jeeps und Autos auf und rasen wie die Gestörten auf die Grenze zu, hupen, verkeilen sich, schneiden sich gegenseitig den Weg ab, ein Zetermordio… und mittendrin das Militär, das versucht Ordnung ins Ganze zu bringen und Schlupflöcher dicht zu machen. Immer wieder jagen sie Autos nach, die versuchen sich über Schleichwege an der Kolonne vorbeizumogeln. Ein Schauspiel erster Güte! Und wir mittendrin und dürfen dann erst noch fast als die Ersten die Grenze passieren, da wir einen Grossteil des Papierkrams bereits am Abend vorher schon erledigt haben. Angesichts des Trubels geben wir auch die Suche nach dem ominösen Papier schliesslich auf, was sich ein paar Stunden später als teurer Fehler erweisen sollte…!

Die chinesische Seite ist dann soweit problemlos, wir dürfen bis in ein Hotel der Grenzstadt fahren und sollen da parkiert bleiben, bis unsere Papiere in Ordnung sind. Da stellt sich dann heraus, dass uns eben eines fehlt und es gibt lange Gesichter: ohne dieses Papier geht gar nichts, eine neue Regelung seit dem 1.

Juli. Der einzige Weg ist die illegale Beschaffung, kostet aber das zehnfache (400 Fr / Fahrzeug). Und mit der Entscheidung sollten wir uns beeilen, da am 1. Oktober die Feiertage anfangen und der Zoll dann für eine Woche geschlossen bleibt…. wir beissen in den sauren Apfel, handeln mit der Agentur aber aus, dass sie die Hälfte der Kosten übernehmen muss, da sich auch noch herausstellt, dass sie uns einen falschen Namen für das Papier genannt hat: sein richtiger Name ist „Cargo Manifest“. Wegen diesem blöden Papier können wir dann erst am dritten Abend aus der Grenzstadt rausfahren! Wir scheinen kein Glück mit chinesischen Grenzen zu haben… – oder aber das gehört wohl einfach dazu!

Wir nutzen die Wartezeit zum Einkaufen, Geldwechseln, Wäsche waschen und was sonst noch so alles anfällt unterwegs. Einen halben Tag investieren wir in die „Entstaubung“ des Cruisies, nach all den Pisten in der Mongolei ist das dringend nötig!!! Als wir am Abend des dritten Tages dann aus der Grenzstadt rausfahren fühlen wir uns wie in einem neuen Zuhause… ;-)

Wir campieren bei eisigem Wind irgendwo draussen etwas abseits der Strasse und machen es uns in den Autos gemütlich. Nach einem Frühstart schauen wir uns am nächsten Nachmittag die Buddha-Grotten von Dunhuang an. Die Chinesen haben einen riesengrossen neuen Eingangsbereich um die ursprünglichen Grotten gebaut, auf uns macht es den Eindruck von Disneyworld, und dabei wurde auch gleich der Eintrittspreis verdoppelt…(25 US$/Pers). Zusammen mit den Autobahngebühren (ca 30$/Tag) und dem Tanken (ca 60$/Tag) ergibt das dann schon einen teuren China-Aufenthalt. Dazu kommen ja noch 1850$/Fahrzeug für die Reiseagentur, die die ganzen Papiere, Grenzformalitäten und den Guide während der 20 Tage organisiert. Dafür ist das Essen sehr günstig und auch sehr fein und abwechslungsreich! An diesem Abend fahren wir nur noch bis zu einem einfachen „Garagen-Restaurant“ wo wir auf einfachen Schemeln eben in einer Garage sitzen, essen dafür wie die Fürsten und bezahlen nicht mal 3$ pro Person (für die Schweizer: 1$ entspricht ca 85Rp). In China werden immer mehrere unterschiedliche Gerichte auf die Mitte des Tischs gestellt und jeder nimmt sich in seine Reisschale raus, was ihn „gluschtet“.

Die Weiterfahrt startet dann erst mal im Stau, der sich im Gegensatz zum immer häufiger auftretenden Nebel/Smog aber irgendwann auflöst. Wir fahren an riesigen Städten vorbei, staunen über die Bauwut der Chinesen: da werden ganze Hochhaus-Quartiere hochgezogen mit tausenden von Wohnungen und wir fragen uns, wer da alles wohnen soll… so hoch kann die Bevölkerungexplosion wohl nicht mehr sein bei der propagierten 1-Kind-Politik?! Wobei die ja auch nicht mehr so strikte ist wie früher: Minderheiten dürfen 2-3 Kinder haben und gegen Bestechung wird auch bei den Han-Chinesen öfter mal ein Auge zugedrückt.

Wir staunen nicht nur über den wilden Wohnungsbau,auch die gigantischen Autobahnbauten beeindrucken uns sehr: lange Tunnels und Hochbrücken durch ganze Täler und Berge! Leider fehlt uns wegen des Smogs die Aussicht auf die sicher atemberaubende Landschaft, aber da in fast jedem Ort mehrere Kühltürme von Kohlekraftwerken stehen,sehen wir auch die Sonne nur als Scheibe über die Mittagszeit schwach durchschimmern.

In den folgenden Tagen fahren wir immer grosse Strecken und besuchen dabei Pingyao, eine alte Handelsstadt, das berühmte Shaolin-Kung Fu-Kloster und Xian, die alte Kaiserstadt. Dazwischen versuchen wir immer wieder auch Übernachtungsplätze in der Natur zu finden. Einmal stehen wir am gelben Fluss, wo wir sogar Brot auf dem Lagerfeuer backen, ein andermal finden wir per Zufall einen kleinen Naturpark mit Wasserfall, wo wir hinaufwandern können. In Chengdu besuchen wir den Pandapark, wo wir in grosszügig angelegten Gehegen die drolligen Tiere aus nächster Nähe beobachten können. Dort müssen wir dann von Spring, unserer Guidin, Abschied nehmen und können dafür Kevin begrüssen. Gleich findet eine grosse Diskussion statt, weil wir unsere Gruppe gerne trennen möchten, da die Familie Sans Freunde in China hat, mit denen sie sich gerne länger treffen würden, währenddessen wir übrigen dann nach Lijang in die Berge fahren würden. Aber irgendwie scheint Kevin dafür keine Verantwortung übernehmen zu wollen, wir müssen zusammen fahren… – oder doch wenigstens an den gleichen Orten übernachten! Nur für den nächsten Tag willigt er ein, dass sie in Chengdu bei ihren Freunden bleiben und Adrian, Felix und wir zwei dafür einen Tagesausflug nach Leshan zum grossen Buddha machen. Wir übernachten an einem Stausee und treffen uns dann am nächsten Vormittag mit Sans wieder auf der Autobahnraststätte, wo sie mit der Reparatur ihres geplatzten Wasserschlauchs beschäftigt sind. Schon bald geht‘s weiter, doch dieser Tag soll uns noch manche böse Überraschung bringen! Zuerst behauptet Kevin, wir bräuchten nicht auf die Autobahn zu gehen, die sei eh gleich fertig… das beschert uns schon mal eine sehr kurvige und langsame Passstrasse, von welcher aus wir immer wieder sehnsüchtig auf die nietnagelneue Autobahn blicken können! Wo dann die Autobahn tatsächlich nicht fertiggebaut ist, kommen wir in einen Stau, wo 3 Stunden lang gar nichts mehr geht… :-( Als wir beim Eindunkeln dann endlich weiterfahren können/müssen, wird es eine Horrorfahrt durch dichten Nebel eine kurvige Passstrasse hoch mit gestresst überholenden Chinesen. Irgendwo ziehen wir dann einfach auf den nächstbesten kleinen Ausstellplatz direkt an der Strasse und übernachten dort. Alle sind gestresst und frustriert und es gibt eine unschöne Diskussion über das „wie weiter?“. Kevin versucht mit Versprechungen die Situation zu schlichten und am nächsten Tag können wir dann einigermassen versöhnt weiterfahren. Doch schon bald stehen wir wieder in einem Stau, diesmal sogar in einem Tunnel drin (glücklicherweise stehen wir nicht weit vom Ausgang weg)! Nach einer Stunde finden wir dann heraus, dass ein Pneukran daran ist die Ladung eines verunglückten Lasters zu bergen, der in den See gestürzt ist. Und der blockiert die Durchgangsstrasse und es kann sich nur noch um Stunden handeln… die Polizei ist zwar mit vor Ort, hält es aber nicht für nötig den Tunnel zu sperren oder eine Umleitung zu signalisieren…. chinesische Verhältnisse halt! Nach 2 Stunden meint Kevin eine Umfahrung gefunden zu haben, auch auf unserem GPS schaut es danach aus, aber die entpuppt sich dann als Tagestour durch die Berge;-) Dafür hat sich der Smog/Hochnebel verzogen und wir sehen endlich was von der schönen Landschaft und haben Einblick ins Dorfleben, wie man es von der Autobahn aus halt eben nicht sieht.

Vor der nächsten Stadt, Panzihua, müssen wir uns dann entscheiden ob wir den Umweg nach Lijang in die Berge fahren wollen und damit unseren China-Aufenthalt um 2 Tage verlängern oder gemütlich auf direktem (Autobahn-) Weg bis an die Grenze tuckern. Als Kevin uns versichert, dass die Bergstrasse in gutem Zustand und mit wenig Verkehr sei, entscheiden wir uns für Lijang. Nach einem ausgiebigen Mittagessen fahren wir los. Panzihua ist eine langgestreckte Industriestadt entlang einem Flusstal, absolut nichts idyllisches und Stadtverkehr war noch nie angenehm mit einem Camper, aber was uns dann nach der Stadt erwartet, spottet jeder Beschreibung: eine völlig durchlöcherte schmale Asphaltstrasse mit Gräben, in denen man Kleinkinder verstecken könnte und dazu voller überladener Bergwerklastwagen, die zu überholen angesichts der vielen Löcher und Gräben in der Strasse ein absolut unkalkulierbares Manöver darstellt…. Nach 20 Kilometern stoppen wir und stellen Kevin zur Rede, was genau er unter einer guten Strasse eigentlich verstehe….?! Da rückt er dann raus, dass nach 100 km (!) eine Mine sei und danach die Strasse aber viel besser werde… wir glauben seinen Streckenbeschreibungen inzwischen kein Wort mehr, haben ihn vielmehr im Verdacht da oben eine heimliche Freundin zu haben, dass er so unbedingt da rauf will ;-) Nach kurzer Diskussion wird die Übung „Lijang“ abgebrochen und wir geniessen noch ein paar entspannte Tage auf dem Weg nach Laos. Endlich können wir auch einen Ruhetag an einem Badesee einlegen, den wir in vollen Zügen geniessen. Kevin geben wir frei und lernen dabei auch mal selber Essen zu bestellen. Nun gut, der 1. Versuch verläuft eher zwiespältig: wir zeigen auf dieses und jenes Gemüse, aber Adrian möchte dann auch noch klarmachen, dass er gerne ein bisschen Fleisch dazu hätte und zeigt dabei auf eins der herumlaufenden Hühner. Prompt wird das dann auch eingefangen und brutzelt kurz darauf schon in der Pfanne! Von nun an sind wir vorsichtig mit auf Dinge oder Tiere zeigen…;-)

In den folgenden Tagen wird die Landschaft immer grüner, üppiger, tropischer. Bananenbäume, Zuckerrohrfelder und Gummibaumplantagen prägen das Bild und ich kriege endlich Mangos, Ananas und Papayas zu kaufen! Die unerwartete feuchte Hitze setzt uns aber schon etwas zu und wir sind total happy als wir ein schönes Hotel mit Swimmingpool entdecken und den Nachmittag da faulenzend verbringen können. Den letzten Tag in China verbringen wir mehr oder weniger auf einer Tankstelle am Grenzort Mohan, bereiten uns auf die Einreise nach Laos vor und gehen noch mal alle miteinander fein essen.

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Mongolia

Hier ist sie also: die Brücke, vor der uns die andern schon gewarnt haben… aber aus der Ferne sieht sie eigentlich gar nicht so schlimm aus, eher wie eine Betonbrücke. Beim Näherkommen sehen wir bald einmal: ja es ist eine Betonbrücke, aber noch im Rohbau und ohne Auf- und Abfahrt, da kommen wir nicht über den Fluss!

Nach der nächsten Biegung sehen wir sie dann – und uns steht der Atem still! Wir haben mit einer unbefestigten Bretterbrücke von ein paar Metern gerechnet, aber das hier ist eine  30 Meter lange Holzkonstruktion am Zusammenbrechen!!! Zwei Pfeiler sind schon abgeknickt und die einst gerade verlaufende Spur macht Kurven und Bögen in alle Richtungen…. Kölbi geht auf der Brücke hin und her und hat steile Sorgenfalten im Gesicht: soll ich – oder nicht – aber wo ist die Alternative?? Der Fluss ist tief und hat starke Strömung, umfahren heisst 2 Tage Umweg… Riskieren wir zuviel wenn wir drüber fahren? Die Mongolen haben uns zwar versichert „no problem“ – aber was gilt das hier schon?! Für sie ist alles „no problem“ – und nachher flicken sie dann….

Kölbi scheint zu einem Entschluss gekommen zu sein: „also ich geh jetzt erst mal scheissen… mit vollen Hosen fahr ich da nicht rüber!“ Mareike, Joscha und ich brechen in nervöses Gelächter aus und bringen unsere Kamera in Position…

Aber jetzt erst mal der Reihe nach. Die ersten paar Tage verbringen wir in Ulaanbaatar, der Hauptstadt. Kriegen nach langem Anstehen unser China – Visum, ersetzen die gebrochene Blattfeder am Cruisie, belagern die Wäscherei und füllen den Kühlschrank auf. Erstaunlicherweise gibt es hier mehr deutsche Produkte zu kaufen als in all den Ländern zuvor. Aber das liegt wohl daran, dass die Mongolei eh fast alles importieren muss. Bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von -2°C kann ein Land wohl nicht viel selber produzieren… die meisten Mongolen ziehen immer noch mit ihren Viehherden und Jurten durchs Land und leben von dem, was die Tiere geben: Milch, Butter, Fleisch, Wolle und Dung zum Heizen. Das Land ist extrem dünn besiedelt: ausserhalb der Städte unter einem Einwohner pro Quadratkilometer…! Wir haben Glück und haben ein Jahr mit überdurchschnittlich vielen Niederschlägen erwischt. Die Steppe ist mit einem grünen Hauch überzogen, wo um diese Jahreszeit normalerweise wohl alles spindeldürr ist. Pech ist allerdings, dass mit unserer Einreise in die Mongolei auch gleich eine Kältewelle durchs Land fegt… – doch davon später!

Wir verlassen die Hauptstadt Richtung Westen und nach knapp 100 km auch eine der wenigen Asphaltstrassen des Landes. Endlich kommen wir in die „richtige“ Mongolei! Noch haben wir eine Spur und einen Richtungspfeil auf unserem Navigationssystem, also kann nichts schiefgehen…! (?) Wir übernachten auf freien Hügeln, wo frische Champignons spriessen. Bald schon bekommen wir Besuch von Reitern aus den umliegenden Jurten. Eins davon kann wohl geradeso knapp gehen und so haben sie das Mädchen mit einem Gürtel am Sattel festgebunden. Hier lernt man Reiten vor dem Laufen! Mangels Mongolisch-Kenntnissen werden wir schon bald wieder alleine gelassen und geniessen den ruhigen Abend zu zweit; wegen dem kalt-bissigen Wind jedoch recht bald schon drinnen im Cruisie. Die Weiterfahrt am nächsten Morgen bringt uns dann bald schon eine tolle Überraschung: um einen Kadaver im Strassengraben sehen wir riesig grosse Geier! Wir finden heraus, dass es sich um Mönchsgeier handelt, die hier weit verbreitet sind, da alle verunfallten und eines natürlichen Todes gestorbenen Tiere ihnen überlassen werden. Da wir am Abend sogar in der Nähe eines Kadavers campieren, können wir sie aus nächster Nähe beobachten und fotografieren. Ich zähle über dreissig Geier!

Nach zweieinhalb Tagen Holperpisten erreichen wir schliesslich den Khövsgöl-See im Norden der Mongolei. Er ist von Bergen und Wäldern umgeben, glasklar und wunderschön gelegen, wenn nur dieser eisige Wind nicht so blasen würde…

Am zweiten Tag kommen dann Mareike und Joscha dahergewandert, ein junges deutsches Paar, denen unglücklicherweise in Ulaanbaatar die Pässe, Kamera und Wertsachen gestohlen wurden. Sie versuchen das Beste aus der Situation zu machen und ihre Ferien trotzdem zu geniessen, mit Zelt und Rucksack. Wir offerieren Ihnen sie bis zur nächsten Stadt mitzunehmen; aber da sie so aufgestellte, unkomplizierte Begleiter sind, fahren sie schlussendlich fast eine Woche mit uns mit. Es tut gut abends nicht immer nur zu zweit zu sein! Die erste Nacht verbringen wir in einem Jurtenhotel zusammen mit weiteren deutschen Touristen, deren Fahrer uns gute Routen auf unsere Mongoleikarte skizziert, gute Tipps gibt und sie warnen uns vor einer altersschwachen Brücke….. wir sitzen gemütlich in ihrer gut beheizten Jurte beisammen, draussen bläst ein eisiger Wind – und am nächsten Morgen erwachen wir alle in schneeweisser Winterlandschaft!!!Damit haben wir nicht wirklich gerechnet und wir machen uns schnell auf Richtung Süden. (Später finden wir dann heraus, dass es sogar da in der Wüste Gobi geschneit hat!) Auch die nächste Nacht verbringen wir in eisiger Kälte und bei Schneetreiben, Joscha und Mareike beneiden wir überhaupt nicht in ihrem Zelt… aber wir fahren durch wunderschöne Hügellandschaften, viele haben vulkanischen Ursprung. Ab und zu halten wir bei den Jurten an um nach dem Weg zu fragen. Unser Navigationssystem funktioniert hier nicht richtig, je verlassener die Gegend, desto weniger…. das ist doch beruhigend in einem Land wo es nur Fahrspuren in der Steppe und keine Wegweiser gibt….!? Dafür trifft man sogar in der Wüste noch immer wieder auf Jurten, wo man nach dem Weg fragen kann. Sogar die mongolischen Tourenfahrer machen das so. Mit der Zeit lernen wir dann aucheinfach nach Kompass zu fahren, irgendeine Piste zu nehmen und wenn die Richtung nicht mehr stimmt oder sie uns zu ausgefahren und holprig wird, einfach auf die nächste abzubiegen…. irgendwie erreichen wir unser Ziel immer!

So auch die berühmt-berüchtigte Brücke…. – aber Kölbi schafft sie mit Bravour, nichts fällt hinter dem Cruisie zusammen…. aber wir fragen uns später noch des öfteren, ob es nicht doch etwas leichtsinnig war darüber zu fahren!

Über den weissen See, wo wir auf einen Vulkankrater steigen können, erreichen wir schliesslich Tsetserleg und die heissen Quellen von Tsenkher. Unterwegs müssen wir allerdings noch einer Familie aus der Patsche helfen, deren Camion (-motor) vollbeladen mit ihrer Jurte und dem ganzen Haushalt in einer sehr unangenehmen Schräglage abgestorben ist. Und die Batterie scheint schon länger tot zu sein… Kölbi zieht sie mit dem Cruisie an und wir hängen uns an den Laster, damit er nicht umkippen kann!

Zur „Belohnung“ verfahren wir uns dann auch noch 25 km auf schlechter Piste, aber dafür ist es nachher im heissen Pool bei den Quellen umso schöner und entspannender…

In Karkhorin verabschieden wir uns dann von Mareike und Joscha, bevor wir das Kloster Erdene suu besuchen. Der Buddhismus ist trotz sowjetischer Repression sehr lebendig geblieben in der Mongolei und viele Klöster werden heute wieder aufgebaut. Aber auch der Glaube an gute und böse Geister ist sehr verbreitet und auf vielen Anhöhen stehen sogenannte „Ovoos“, Steinhügel, die der Reisende 3x umgehen muss um eine glückliche, unfallfreie Reise zu haben. Bei uns scheint‘s zu wirken!

Bei trübem Wetter fahren wir weiter Richtung Süden, Richtung Gobi. Die uns vom mongolischen Fahrer gezeichnete Route entpuppt sich als superschneller Track, über den wir zeitweilig nur so dahinfliegen können. Was für eine wohltuende Abwechslung nebst all den schlechten Pisten, wo wir meist nur mit 20 – 30 kmh dahinhöpperln können! So sind wir innerhalb eines Tages bereits bei den flammenden Klippen, einer Erosionslandschaft aus rotem Sandstein. Und tags darauf in den Dünen von Konghorin Els. Eine riesige Sanddüne erhebt sich direkt vor einem kleinen Fluss, ein eindrückliches Bild! Wir machen uns an den Aufstieg, welcher sich als viel anstrengender herausstellt als erwartet. Es geht wirklich fast senkrecht die Wand hoch! Die Aussicht oben ist dafür atemberaubend, der pfeifende Wind allerdings auch, und beim Abstieg wünschen wir uns ein Snowboard dabei zu haben! Von Weitem sehen wir ein Überland-Fahrzeug näherkommen. Es ist Bruno aus St.Gallen mit seinem Freund Florian auf Besuch. Bruno will auch längere Zeit Reisen und will nach Wladiwostok fahren zum Verschiffen seines Bremachs nach Südostasien, wo wir ihn hoffentlich wieder treffen werden. Wir fahren die nächsten 2 Tage zusammen und erwandern zum Abschluss gemeinsam die Geierschlucht. Nochmals verbringen wir eine windig-kalte Nacht auf 2000 müM. Langsam haben wir genug vom ewigen Daunenjacken- und lange Unterwäsche-Anziehen…. aber der Kälteeinbruch ebbt langsam ab und von dem Tag an steigen die Temperaturen langsam aber stetig aufwärts. Wir fahren einen Bogen nach Norden zur weisse Stupa, einer interessanten Erosionsformation. Weiter zum Ikh Gazharin Chuluu, einer heiligen Stätte mit seltsam geformten Felsen, genial um darin herumzuklettern. Richtung Osten besuchen wir den Ikh Naart – Nationalpark, wo wir die wildlebenden Argali – Schafe mit ihren geschwungenen Hörnern endlich einmal zu Gesicht bekommen. Sie sind in ganz Zentralasien heimisch, wir haben bisher jedoch nur das Gehörn von toten Tieren gesehen.

Weiter südlich sichten wir dann auch eine kleine Herde Gazellen und als wir am nächsten Morgen aufwachen, grasen Hunderte von ihnen um unseren Cruisie herum! Ein eindrückliches Bild! Die Steppenwüste ist dank dem vielen schlechten Wetter mit einem Hauch Grün überzogen, das meiste ist Schnittlauch, aber es hat auch niedrige Stauden, die in allen Herbstfarben leuchten.

Wir geniessen diese letzten Tage hier in der Mongolei ganz bewusst. Diese menschenleere Weite und Stille, dieses freie Campingleben mit ungestörtenLagerfeuern am Abend werden wir die nächsten Monate durch China und in Südostasien wohl kaum mehr geniessen können!

Südlich von Sainshand treffen wir dann beim Kloster Khamryn Khiid, welches in traumhafter Hügellandschaft gelegen ist, auf Familie Sans, die mit uns durch China reisen wird. Und am nächsten Tag stossen dann auch noch Felix und Adrian zu uns, so dass unser Team komplett ist. Wir sind froh genügend Zeit für die schlechte Piste bis an die Grenze eingeplant zu haben, so dass wir noch einen Tag rumhängen können vor unserer Chinadurchreise, die am 26. September startet und 18 Tage dauern wird.

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Russland: durch Sibirien…

Also die Grenzüberquerung nach Russland verläuft absolut unkompliziert und angenehm… – so gar nicht wie erwartet! Und die Strasse ist auch von recht guter Qualität. Aber es darf ja auch beim Reisen angenehme Überraschungen geben ;-)

Wir fahren in einem grossen Bogen zurück Richtung Südosten um ins Altai, eine touristisch recht bekannte Bergregion an der Grenze zu China/Kasachstan und der Mongolei zu gelangen.

Und kriegen auf dem Weg zum Teleskoe-See einen ersten Eindruck von verlassenen, holprigen Schotterstrassen durch die sibirische Taiga: Birken- und Tannenwald im Sumpfgebiet. Beim Campieren am Fluss lernen wir dann auch gleich die hiesige Mücken- und Stechfliegenwelt kennen und kapitulieren nach kürzester Zeit durch Flucht in unser Auto… die juckenden Stiche erinnern uns noch tagelang an diese „Begegnung“ ;-) In der Nacht beginnt es zu regnen und bei trübem Wetter erreichen wir den See. Wir finden einen Stellplatz wo auch viele Russen campieren und haben schnell mal „Familienanschluss“. Wir erkunden zusammen einen nahen Wasserfall und verbringen einen gemütlichen, wenn auch etwas Vodkalastigen Abend am Lagerfeuer. Kölbis Musikanlage hilft zur gegenseitigen Verständigung: der russische Lehrer hat selbst auch eine grosse Musiksammlung dabei. Wir sind erstaunt, wie sehr wir alle die gleichen Songs mögen… – und vollends baff, als er uns sogar Florian Ast abspielt; nicht wissend, dass dies ein Schweizer Sänger ist!

Der nächste Tag begrüsst uns dann mit Dauerregen (alle) und Kopfweh (Kölbi und Max) ;-)

Nach einer stärkenden russischen Shorpa (Suppe) verabschieden wir uns und machen beim Rausfahren, das sich übrigens als recht knifflig erweist, da der Campingplatz inzwischen unter Wasser steht und die Ausfahrt mit ihren tiefen Schlammlöchern manchem russischen Kleinwagen zum Verhängnis wird, die Bekanntschaft mit einem jungen, englischsprachigen Russen, der uns in sein Jugendcamp einlädt, wo eine deutsche Frau mit dabei sei. Sie ist Caritas – Beauftragte für Sibirien und erzählt uns in den folgenden Stunden viel Interessantes über Russland und seine Menschen. Sehr eindrücklich schildert sie das Alkoholproblem und seine gravierenden Folgen: Zerrüttung der Familien, Unzuverlässigkeit/Verdummung (scheint beim Vodka-Konsum besonders extrem zu sein) und Gesundheitsfolgen bis hin zur geringen Lebenserwartung von nur 57 Jahren bei den Männern. Das Leben gelte nicht viel in Russland, sagt sie. Sehr beeindruckt hat mich auch, wie sie das anhand der Wort-für-Wort Übersetzung vom russischen „ich verlasse Dich“ (= „ich werf Dich weg“) aufgezeigt hat…

Mit wechselhaftem Wetter fahren wir weiter ins Altai hinein, in das sehr touristische Katun-Tal nach Chemal, wo wir die russische Art von Bergtourismus erleben können (mit Lunapark, Seilpark und Kürzest-Wanderwegen mit Eintritt bezahlen…). Wir fahren weiter das Tal hoch um dem Rummel etwas zu entfliehen, vertrauen dabei wieder einmal unserer Computerkarte, die eine Abkürzung aus dem Tal raus anzeigt. Als wir vor einem sehr wenig befahrenen Wiesen- und Waldweg stehen werden wir doch etwas unschlüssig. Glücklicherweise (?) kommt ein Fahrzeug dahergerattert, sodass wir nach dem Weg fragen können. Diese Begegnung führt uns zu Kölbis Weisheit des Tages: Frage nie einen russischen Bauern nach dem Weg, wenn er auf einem Raupentraktor daherkommt….! „Ja klar, nur immer geradeaus! -ob unser Auto Allrad habe? Dann ist es kein Problem!“ Tja. Die folgenden Schlammlöcher und Matschpartien lassen uns immer wieder ans Umkehren denken… aber dann müssten wir ja wieder durch das durch, was wir mit viel Zittern (Chrigi) und fahrerischem Können (Kölbi) bereits geschafft haben! Vor lauter Aufregung vergesse ich sogar das Fotografieren, was Kölbi nachher natürlich schon ein wenig ärgert :-(

Schliesslich wird es etwas steiler und steiniger und nach dem Wegsägen von hervorstehenden Ästen erreichen wir schlussendlich die Passhöhe. Hinten runter wird der Pfad immer breiter, bis wir erleichtert, aber happy im nächsten Dorf auf die Hauptstrasse einbiegen.

Über eine abenteuerliche Hängebrücke erreichen wir ein weiteres Seitental, wo wir am schönen Fluss einen Tag ausspannen wollen. Aber nicht nur Faulenzen, auch Wäsche waschen ist mal wieder angesagt! Wir sind ein gut eingespieltes Team inzwischen und schon bald flattern unsere Kleider frisch gewaschen im Wind… Die Gegend ist hier wunderschön, ich mache eine kleine Wanderung, wir baden im Fluss und geniessen die Sonne vor dem nächsten Gewitter. Abends haben wir Besuch von zwei Einheimischen, die auf ihrem alten Töff auf eine Flasche Vodka (=unser Feierabendbier) am Fluss vorbeischauen. Wir kommen ins „Gespräch“, irgendwie reden sie immer wieder von „produkty“, aber ich versuche ihnen klar zu machen, dass ich alles Nötige bei mir habe… mit wenig Erfolg, wie sich später herausstellt. Zum Wegfahren muss Kölbi ihnen aber erst noch die hinten auf dem Motorrad festgezurrte Autobatterie (!) überbrücken (die Töffbatterie fehlt) und dann knattern sie den steilen Hang hoch und davon. Nur um eine halbe Stunde später zu dritt (einer sitzt auf der Autobatterie!) wieder aufzukreuzen mit tiefgefrorenem Wildfleisch, frischem Brot, Gurken und selbstgemachtem Joghurt… für nur 9 SFr! Alles ist von guter Qualität, ausser dem Joghurt, das der „Boss“ mir eh schon mal zur Hälfte über die (frischgewaschenen!) Hosen verschüttet (er hat zwischenzeitlich wohl noch mehr Vodka intus)… ;-) So sind sie, die Russen! Wir fragen uns, wie er den steilen Hang zu dritt wohl schaffen wird in dem Zustand, aber kein Problem!

Etwas wehmütig fahren wir am nächsten Tag aus dem Altai heraus. Eigentlich wäre die mongolische Grenze nicht mehr weit gewesen… aber wir wollen ja noch zum Baykalsee! Dazwischen liegen über 1500 km sibirische Taiga! Und das Wetter wird immer schlechter, kälter, der Regen hängt sich richtig rein. So macht auch das Campieren nicht mehr richtig Spass! Wir folgen dem Transsibirischen Highway, zwischendurch immer wieder sehr schlecht zu fahren wegen Baustellen und Umleitungen. Öfter mal fragen wir uns, wie die schweren Trucks das schaffen bei diesem Matsch die Hügel hoch zu kommen… -und wohl erst im Winter?! An einer besonders steilen Passage stehen jedoch bereits die Bulldozer bereit, um steckengebliebene Laster hochzuziehen!

Nach ein paar Tagen eintöniger Fahrerei freut sich sogar Kölbi auf einen Tag in der Stadt und dank der Nässe bringe ich ihn sogar in ein Museum…! Das will was heissen ;-) ! Und trotzdem treffen wir immer wieder mal auf nette Leute, seien es Russen in Krasnoyarsk, die uns spontan zu einem unvergesslichen Abend in eine Jurte einladen; seien es Touristen, die mit der Transsibirischen Eisenbahn unterwegs sind oder andere Überlandreisende, mit denen wir Infos tauschen können.

Nach 6 Tagen erreichen wir schliesslich Irkutsk, die Stadt am Baykal. Wir sind froh, dass diese doch recht langweilige Strecke nun hinter uns ist! Nach einem Besichtigungs- und Autoservicetag fahren wir zur Insel Olkhon hoch. In der Bucht vor der Fähre erblicken wir zwei deutsche Camperfahrzeuge und kurzentschlossen stellen wir uns zu ihnen und verbringen einen vergnüglichen Abend mit Geschichten rund ums Reisen.

Auf der Insel machen wir uns gemütliche Tage, fahren an die Nordspitze, wandern, bewundern die schamanistischen Stätten, sammeln Pilze, welche (dank dem Regen!) überall aus dem Boden spriessen. Die Sonne scheint wieder und am dritten Tag treffen wir sogar noch Adrian und Felix, die zwei Schweizer, die mit uns und Familie Sans durch China reisen werden. Wir suchen uns einen schönen Platz am Strand und verbringen zwei schöne und unterhaltsame Lagerfeuerabende. Das Reisen ist wieder schön und wunderbar! :-)

Nach Irkutsk besuchen wir noch den Wasserfall und die heissen Quellen von Arshan. Hier an der Süd- und Ostseite des Baykalsees leben die Burjaten. Sie glauben an schamanistische Gesister und hängen dem tibetischen Buddhismus an. Überall stehen Stupas, es hat Klöster und Gebetsfahnen flattern an heiligen Stätten. Vieles erinnert uns an Tibet und gibt uns eine Vorahnung auf die Mongolei. Wir freuen uns endlich wieder südwärts reisen zu können und die letzten Tage in Russland vergehen wie im Fluge. Der Grenzübertritt geht problemlos, unsere fehlende Registrierung fällt auch keinem auf und am Mittag des 28. Augusts sind wir bereits auf mongolischem Boden unterwegs….

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Kasachstan

Eine weitere Überraschung unter den zentralasiatischen Ländern ist Kasachstan für uns. Wir kamen mit gemischten Gefühlen ins Land, nachdem uns andere Overlanders vor der „Straf“- (Busse-) verteilenden Polizei und den miserablen Strassen gewarnt hatten… -doch wir trafen eigentlich nur auf nette Polizisten und inzwischen hat Kölbi auch das Auge dafür, wo die „Polizistenradarfallen“ stehen könnten. Selbst als wir wegen fehlendem Tageslicht am Auto gestoppt werden (2x!) lassen sie uns ohne „Straf“ wieder laufen, Touristenbonus!

Von der Route her haben wir uns nur ganz im Südosten dieses riesigen Landes aufgehalten, sind meist den Bergen entlang- oder durchgefahren und hatten daher keinen Kontakt mit den sterbenslangweiligen, miserablen Steppenstrecken Kasachstans, die es im Westen durchaus geben dürfte.

Im Gegenteil: wir sind eine der für uns eindrücklichsten Offroadstrecken gefahren unserer ganzen Reise! Na ja, laut GPS-Karte war sie ja auch nur als Wanderweg gekennzeichnet… aber es war ein ausgewaschener Feldweg quer durch die Berge, durch tolle Landschaften und an einzigartigen roten Sandsteinfelsen vorbei. Wir haben wundervolle Campingorte gefunden und die einsame Natur genossen. Nur ab und zu ist -vor allem mir- das Herz fast stehengeblieben vor Angst, dass unser Cruisie in dieser Schräglage gleich kippen wird… Aber Kölbi hat all diese Partien toll gemeistert, nur die Reifen sind nun schon schlimm zerschnitten und wir sind des öfteren am Flicken. Ganz im Südosten des Landes konnten wir auch noch den Sharyn-Canyon erkunden, quasi eine Miniausgabe des Grand Canyons.

Zurück in Almaty müssen wir nur einen Tag auf‘s Mongolei-Visum warten. Die Nacht verbringen wir in einem der nahen Bergtäler, wo wir auch gleich Familienanschluss bei einem typisch kasachischen Picknick finden.

Kölbis Musikanlage hat (nach etlichen Flaschen Vodka) begeisterten Anklang und wir tanzen alle zusammen bis in die Nacht…

In Almaty selber sind wir erstaunt ob der riesigen Anzahl zum Teil total aufgemotzter Offroad-Limousinen und da wir an einem Hochzeitstag unterwegs sind, zählen wir sicher an die 15 Stretch-Limousinen, darunter auch eine Hummerversion! Es muss hier etliche Leute geben, die ganz gut verdienen und einen deutlich höheren Lebensstandard haben als in den umliegenden Ländern. Wir finden etliche westlich orientierte Einkaufstempel, wo wir vom französischen Weichkäse bis zu chilenischem Spitzenwein alles kaufen könnten… natürlich auch zu dementsprechenden Preisen! Am Nachmittag besuchen wir noch ein Skigebiet ganz in der Nähe. Wir sind aber ziemlich geschockt, als wir feststellen, dass hier vor nicht allzu langer Zeit wohl ein Sturm wie damals in der Schweiz der „Lothar“ durchgefegt ist: ganze Hänge mit wunderschönen Nadelbäumen liegen flach, hingelegt wie Streichhölzer! Überall sind Bagger und Holzarbeiter mit schweren Maschinen dran aufzuräumen, Kölbi erspäht auch einige beschädigte oder gar ganz weggewehte Dächer von ansonsten sicherlich schönen Villenhäusern. Ziemlich bedrückt verlassen wir das Tal schon bald wieder.

Wir wollen ein paar Tage an einem grossen See etwas nördlich von Almaty verbringen, müssen uns aber auf dem  Weg dorthin mit viel Geduld wappnen: aus Ortsunkenntnis wählen wir ausgerechnet diejenige Strasse aus der Stadt raus, die am grössten Basar entlangführt, den wir bisher gesehen haben: Buden um Buden, Strassenzüge um Strassenzüge reihen sich die Händler und verkaufen alles von der Steckdose über trendige Markenkleider, Schuhen und Taschen bis zu Fleisch und Gemüse… klar, dass der Auto-Verkehr da zum erliegen kommt! Nach über eineinhalb Stunden Schritttempo sind wir endlich durch:-))

Am See spannen wir aus, waschen wieder einmal Wäsche und holen uns frischgefangenen Fisch bei den örtlichen Fischern – den sie mir gleich schenken! Wir erleben die Kasachen als überaus gastfreundlich, sie sind interessiert, wahren aber immer freundliche Distanz zu uns. Sehr angenehm!

Wir fahren der östlichen Grenze entlang Richtung Norden, queren immer wieder Berge und sehen in der Ferne Gletscher und Firn glitzern. Wunderschöne Gegend mit kristallklaren Flüssen und Seen, die uns immer wieder zum Baden und Schwimmen einladen. Leider treffen wir auch hier wieder auf das Kennzeichen aller schönen Picknick- und Übernachtungsplätze dieser Länder: Müll! Abfall, wohin das Auge schaut… je idyllischer der Platz, umso höher türmen sich die Berge. So wird es zur Routine, erst mal eine halbe Stunde ins Abfallsammeln zu investieren und ihn am Ende des Abends im Lagerfeuer zu verbrennen. Nicht gerade die feine Schweizerart, aber für uns die einzige Lösung um dem Problem Herr zu werden. Verbrennungsanlagen gibt es in diesen Ländern ohnehin nicht. Früher oder später landet -leider!- alles irgendwo draussen. Aber davon abgesehen befinden wir uns im Camperparadies: wunderbare freie Natur und immer wieder neue, tolle Landschaften. Vieles erinnert uns an Australien!

Nach nur 18 Tagen verlassen wir dieses Land wieder, sind uns aber sicher, einige seiner schönsten Gegenden besucht zu haben! Morgen, am 1.August -dem Schweizer Nationalfeiertag- wollen wir über die Grenze nach Russland. Für uns gibt‘s da wohl nicht viel zu feiern – ausser die Zöllner feiern uns dann…. ;-)

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Pamir/Tajikistan und zurück nach Kirgisien

Über den 4332m hohen Kyzyl Art – Pass gelangen wir auf der alten russischen Grenzzstrasse, dem Pamir – Highway, nach Tajikistan. Unter dem Namen „Highway“ hätten wir eigentlich einen leicht besseren Strassenzustand erwartet… der Pass würde sich locker als Motocrosspiste eignen! Die Grenzformalitäten werden recht zügig erledigt und unser Auto wird sogar noch „desinfiziert“, aber angesichts der Handspritzpumpe des Zöllners vermute ich eher eine weitere Geldeinnahmequelle hinter der Aktion ;-) Irgendwann kommt Kölbi dann auch noch etwas aufgeregt mit einem Mafiosiähnlich aussehenden Zöllner zum Auto und deutet mir an, dass er ihn nicht so recht verstehe, aber dieser Zöllner scheinbar etwas Schmiergeld wolle… mit meinen wenigen inzwischen gelernten Brocken Russisch finde ich dann aber schnell raus, dass er uns anbietet Geld zu tauschen; worüber wir auch ganz froh sind, weil wir damit nachher die Desinfektion bezahlen können…

Wir fahren über ein dem Tibet ähnelndem Hochplateau an einem riesigen See vorbei, umgeben von schneeglitzernden Bergen, alle über fünftausend Meter hoch. Und bald darauf sehen wir zwei Radfahrer in der Ferne sich gegen den eisigen Wind abkämpfen: es sind Myriam und Marc, zwei Schweizer, die wir vor über drei Wochen in Kirgisien getroffen hatten. Wir wussten, dass sie den Pamir Highway fahren wollten, aber dass wir sie gleich am ersten Tag treffen würden, hätten wir nicht geglaubt! Wir fahren noch ein paar Kilometer und campieren dann zusammen, mit Schwatzen und Erzählen vergeht der Abend viel zu schnell. Am nächsten Morgen müssen wir dann als erstes einen Platten am Cruisie reparieren, wir haben ihn wohl schleichend eingefangen. Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschieden wir uns dann von Myriam und Marc und wünschen ihnen viel „Schnauf“ für den folgenden, höchsten Pass des Pamirs: 4655 m hoch… der Cruisie schafft den natürlich locker und ich bin froh in dieser unwirtlichen Umgebung nicht mit all unserem Gepäck radeln zu müssen! Aber wir treffen in den folgenden Tagen immer wieder auf Velofahrer, viele sind Schweizer, irgendwie muss der Pamir Highway einen verlockenden Ruf haben… aber ich denke, dass er wirklich nur etwas für hartgesottene Velofahrer ist; sie müssen die ganze Campingausrüstung und Essen für mehrere Tage mit im Gepäck haben. Nachts gefriert es öfters und tagsüber bläst ein unangenehm kalter Wind aus Westen. Da haben wir es in unserem Fahrzeug doch bedeutend komfortabler!

Wir geniessen die atemberaubend schöne Landschaft und lassen uns am dritten Tag auf ein unvergessliches Abenteuer ein: wir nehmen eine der vielen abzweigenden Pisten und fahren aufs Geratewohl durch diese tolle Gegend! Unser GPS zeigt uns wohl die Berge und Täler an, aber keine Strasse mehr und so lassen wir uns von der ungefähren Richtung leiten und werden reich belohnt mit einer wunderbaren Strecke, die wohl nicht sehr häufig befahren wird: wir begegnen nur einem einzigen Auto. Wir fragen die wenigen Einheimischen, auf die wir treffen, nach dem Weg und werden dann meist gleich zum „Chai“, zum Tee eingeladen. Dazu gibt es immer Fladenbrot, Butter und Joghurt, also fast eine ganze Mahlzeit… dabei sind die Menschen hier oben sehr arm und trotzdem so extrem gastfreundlich! Wir gewöhnen uns an, ihnen wenigstens etwas abzukaufen, Brot oder Butter oder einmal gibt es sogar getrockneten Fisch, sodass wir nicht einfach gratis „reinhocken“. Die Männer weigern sich das angebotene Geld anzunehmen (Gesichtsverlust), aber die Frauen sind doch sehr dankbar für den Zustupf zur mageren Haushaltskasse!

An einem der tiefblauen Zorkul-Seen übernachten wir und am nächsten Morgen gehts weiter durch recht sumpfiges Gebiet. Wir folgen nun der afgahnischen Grenze, sehen aber nirgends einen bewachten Posten, nur Ruinen aus alten sowjetischen Zeiten. Die Piste wird immer schlechter und an einer Flussüberquerung suchen wir lange nach einer passierbaren Durchfahrt. Alle auffindbaren Spuren zeigen in eine Richtung, aber dort hat es eine dicke, teilweise eingebrochene Eis- und Schneedecke über dem Bach, der wir nicht trauen. Kölbi versucht sie schliesslich mit dem Cruisie runterzubrechen um durch den Bach zu kommen, übersieht dabei aber einen Stein und bleibt schliesslich in dem Loch dahinter stecken…. es geht weder vorwärts noch zurück!!! Nach kurzem Überlegen versuchen wir es mit dem Seilzug um einen grossen Stein: doch der Stein bewegt sich, nicht das Auto! Kölbis sorgenvolles Gesicht verheisst nichts Gutes… da hören wir in der Ferne ein Auto kommen! Wir sind halt doch Glückskinder!!! Das einzige Fahrzeug an diesem ganzen Tag kommt ausgerechnet in diesem Moment daher! Und es soll noch besser kommen: obwohl dieser Landcruiser tajikische Nummernschilder hat, sitzen zwei Schweizer drin: Annemarie aus dem Emmental arbeitet fürs DEZA in Dushanbe und Immanuel aus JENS (ca 15 km von meinem Dorf entfernt!!!) hat hier eben seinen Zivildienst geleistet…! Nachdem wir uns mit Hilfe ihres Cruisies aus unserer misslichen Lage befreit haben, feiern wir dieses glückliche Treffen mit einem ausgiebigen Picknick.

Frohgemut geht‘s dann weiter und als wir dann in Khargush an den Militärposten kommen bezahlen wir auch unser Permit nach, das wir für diese Strecke eigentlich gebraucht hätten. Annemarie hat unsdavon erzählt und auch von einer heissen Quelle in der Nähe von Bulunkul am See, wohin wir jetzt noch fahren wollen. Leider haben wir nicht mit der schlechten Strasse über den Khargush-Pass gerechnet, sodass wir nach stundenlanger Holperei und 20 km/h Geschwindigkeit froh sind, überhaupt in die Nähe von Bulunkul zu kommen und todmüde ins Bett fallen.

Bei der Erkundung der Gegend am nächsten Tag treffen wir bei einem Bauernhof zufällig wieder auf Myriam und Marc. Wir werden alle vier zum Tee hineingebeten und natürlich haben wir viel zu erzählen! Zum Abschied schenkt Kölbi dem netten Bauern nach einer kleineren Reparatur an Marcs Velo eines seiner Werkzeugsets und macht ihm damit ganz offensichtlich eine Riesenfreude. Wir aber wollen endlich zu den heissen Quellen und finden sie an einer einsamen Bucht am See. Einheimische haben ein richtiges Badehäuschen mit einer Badewanne installiert und wir sind sehr erstaunt, dass wir diesen schönen Platz nur mit den wärmesuchenden Fröschen und am Nachmittag mit drei Kindern teilen müssen! Nach einem Faulenzertag fühlen wir und gerüstet den Khargush-Pass ein zweites Mal in Angriff zu nehmen um zurück zum Vakhan-Korridor zu gelangen. Der Vakhan-Korridor verläuft entlang der afghanischen Grenze, nicht weit von Pakistan entfernt. Die Gegend und die Menschen erinnern uns stark an unsere Zeit am Karakorum-Highway mit dem Töff vor fast zwanzig Jahren. Kein Wunder, wir sind nur wenige Kilometer entfernt und die Menschen gehören auch hier dem Ismaelitischen Glauben an mit dem Aga Khan als ihrem Oberhaupt. Dieser engagiert sich stark für die Bildung und den Strassenbau in dieser Gegend und viele Hilfsprojekte laufen in seinem Namen. Die Frauen sind offener und selbstbewusster als in anderen moslemischen Gegenden und tragen auch nur ein leichtes Kopftuch. Viele Kinder und Jugendliche sprechen ein wenig Englisch und so ergeben sich immer wieder schöne Begegnungen.

Ein Tag bleibt uns besonders in Erinnerung, wenn auch aus einem anderen Grund: gefahren sind wir an diesem Tag nicht viele Kilometer, weil wir unterwegs immer wieder Velofahrern begegnet sind und dann mit ihnen Tee getrunken und stundenlang geplaudert haben! Von einigen wussten wir bereits von Myriam und Marc, dass sie uns begegnen würden, da sie mit diesen via Internet in Kontakt waren; andere wie den zwei Schweizern, von denen der eine meinen Cousin Housi kennt(!), waren zufällige, aber freudige Überraschungen. Und von allen erfährt man immer wieder etwas Neues, Interessantes! Diese Begegnungen sind die Würze in der „Alltagssuppe“ von uns Reisenden…

Je weiter wir dem Pandzh-Fluss ins Tal folgen, desto grüner wird die Landschaft, aber auch umso enger wird das Tal bis sich die Strasse zuweilen nur noch durch eine enge Felsenschlucht zwängt. Immer hat man den Blick auf die „andere“, die afghanischen Seite frei. Viele dieser Dörfer und einsamen Gehöfte sind nur über schwindelerregend steile Fuss- und Saumpfade mit dem Rest des Landes verbunden. Von einem unserer Übernachtungsplätze aus können wir das Leben auf einem dieser Gehöfte aus nächster Nähe miterleben. Die Frauen sind stark vermummt und auch die kleinen Kinder helfen auf dem Hof mit oder beim Schafe eintreiben. Offensichtlich ist eines der Tiere verloren gegangen und bis nach Sonnenuntergang suchen die Kinder es in einer steilen Felswand, so dass uns nur vom Zuschauen schon angst und bang wird!

In Khorog treffen wir dann wieder auf die „moderne“ Welt mit Internet und Bazaar, Touristen und es gibt auch zum ersten Mal wieder Diesel zum Tanken. Bei einem Mittagshalt stoppt auch ein englischer Landrover und wir kommen ins Gespräch mit Emily und Eric, die mit ihren polnischen Freunden in einem Landcruiser unterwegs sind. Der scheint allerdings grosse technische Probleme zu haben, unterwegs sei ihm ein Rad einfach weggebrochen…

Sie sind über die bekanntermassen schlechte Strasse via Kharubot-Pass gekommen. Wir aber wollen die südliche Strasse via Kulyab nehmen, die neu gebaut und gut sein soll… tja, ein Teil ist neu gebaut, aber der (grössere) Rest dazwischen ist in einem absolut lausigen Zustand oder Baustelle, sodass wir wieder einmal grösstenteils mit 20 km/h in der Gegend rumholpern…! Als wir nach zwei Tagen schliesslich Dushanbe, die Hauptstadt, erreichen, haben uns die Strasse und die hier herrschende Hitze ziemlich erledigt und wir sind froh in einem Guesthouse einfach ein wenig rumhängen zu können. Wir treffen auf andere Langzeitreisende und beim Schaschlik(Fleischspiesse)- und Laghman(Nudeln)-Essen und Quatschen vergeht die Zeit wie im Fluge. Unser Kirgisien-Visa erhalten wir tatsächlich „urgent“ (Eilservice), nämlich innert 30 Minuten und sind daher auch gerne bereit dafür das Doppelte zu bezahlen (siehe Uzbekistan-Visa im vorderen Artikel).

Von anderen Touristen hören wir nicht allzu viel Gutes über Uzbekistan und trauern diesem Land deshalb auch nicht gross nach. Schon gar nicht nach der eindrücklichen Zeit auf dem Pamir Highway, den wir als eines der absoluten Highlights unserer bisherigen Reise empfinden.

Für den Rückweg nach Kirgisien entscheiden wir uns für die nördliche Route via Khojand, die durchs (grenzmässig) verschachtelte Ferganatal führt. Stalin hat hier zu Sowjetzeiten mit der Grenzziehung zwischen Uzbekistan, Tajikistan und Kirgisien diesen Staaten wirklich einen Bärendienst erwiesen; wohl aus dem Kalkül heraus, dass je mehr diese Staaten untereinander Streit haben, desto weniger verbünden sie sich im Kampf gegen Moskau… und so zerstückelt die Grenze heute Volksgruppen und Verkehrswege, unterteilt Seen und Flüsse (hier wo Wasser solch ein (über-)lebenswichtiges Gut ist) und nimmt keine Rücksicht auf gewachsene Strukturen. Nach dem Auseinanderfallen der Sowjetunion sind diese Staaten dann auch als erstes aufeinander losgegangen und auch heute noch gibt es immer wieder Streitigkeiten und Scharmützel, wenn nicht gar Gemetzel unter den verschiedenen Volksgruppen. Dabei würde die unsinnige Grenzziehung gerade ein Zusammengehen und -arbeiten nahelegen, doch dagegen wehrt sich vor allem Uzbekistan vehement, das mit all seinen Nachbarn im Streit zu sein scheint, vor allem wegen seiner Meinung nach ungenügender Wasserzufuhr aus deren Gebieten…

Aber Radfahrer haben uns versichert, dass wir auch ohne uzbekisches Visum nach und durch kirgisisches Gebiet reisen könnten und so machen wir uns unbesorgt auf den Weg. Irgendwie scheint unsere Reisekarte in diesem Gebiet jedoch nicht ganz korrekt zu sein… es fängt damit an, dass wir laut GPS (Navigationssystem auf unserem I-Phone) die tajikisch-kirgisische Grenze längst überschritten haben müssen, aber es ist weit und breit kein Grenzposten zu sehen. Gut, die Strasse, die uns der hiesige Bäcker gezeigt hat, war schon etwas klein, eher wie ein Schleichweg… aufgeregt fangen wir an alle möglichen Leute nach der „Passport-Kontroll“ zu fragen, aber die zeigen alle ungerührt Richtung nächstgrösserer Stadt. Dort fragen wir auf dem Polizeirevier nach und die schicken uns südlich Richtung Grenze, wo sich die Strasse wiedereinmal ohne Richtungsweiser teilt… Nach langem Suchen und (über die Grenze) hin- und herfahren finden wir den Grenzposten schliesslich, aber jetzt  kommen wir ja von der falschen Seite her! Kölbi ist ganz nervös deswegen, aber der Grenzbeamte stempelt unser Visa nach einigen Erklärungen unsererseits schliesslich mit „Entry“ ab, so dass wir zwar offiziell nicht aus Tajikistan ab-, aber immerhin in Kirgisien angemeldet sind. Unsere Irrfahrt ist damit aber noch lange nicht zu Ende. Immer wieder verfahren wir uns und müssen den Weg um Uzbekistan herum (das auch viele Enklaven in Kirgisien hat) erfragen. Mehr als einmal stehen wir wieder vor dem Grenzbaum… Kölbi kriegt schon eine richtige Grenzphobie;-)

Aber schliesslich schaffen wir es doch nach Osh, der südlichen Zentrumsstadt, und nach Geldwechsel, Internet und Bazaarbesuch geht‘s auf zu neuen Abenteuern. Wir wollen auf einer kleinen Strasse ins zentrale Berggebiet des Landes fahren. Diese war bei unserem ersten Besuch hier noch gesperrt gewesen, weil Schnee und Regen den Pass über diesen niederschlagsreichen Bergzug im Frühling unpassierbar machen. Doch jetzt ist die Piste geräumt und wir werden mit wunderbaren Ausblicken auf Berge und Täler belohnt. Zufällig treffen wir Emily und Eric wieder, weil die zwei sich immer wieder genau die gleichen Übernachtungsplätze aussuchen, wo wir schon stehen! Es sind interessante Menschen, polnisch-britische Künstler und Fotografen, und es ist schön mit ihnen die Abende zu verbringen. Wir fahren unabhängig voneinander die gleichen Strecken tagsüber und kommen gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus ob der grandiosen Landschaft… Kirgisien ist uns wirklich ans Herz gewachsen; obwohl ich ganz klar sagen muss, dass dies wohl nur für die Sommerzeit gilt, im Winter dürfte das Land im eisigen Griff Sibiriens sein, nichts für mich!! Aber allen Natur- und Bergliebhabern, die gerne in freier Natur campen und nichtasphaltierte, einsame Strassen lieben, sei dieses Land wärmstens empfohlen!

Als wir dann am Issik-Köl-See noch ein paar Tage ausspannen und die zwei und noch ihre polnischen Freunde (mit inzwischen in Bishkek repariertem Auto) auftauchen, gibt‘s ein grosses Hallo und einen unvergesslichen Abend am Feuer mit Kölbis Musik und Ireks Kognak…. ;-) )

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